Aufarbeitung der Jung Hilax 8293 (1938) bei der Waldeisenbahn Muskau

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    • Hallo Sven,

      sicherlich ein sehr nettes Angebot, welches ich auch gerne annehmen würde. Familär bin ich aber von Wernigerode aus betrachtet mehr in Richtung Nordwesten orientiert. Ich war eben mal in Hamburg und noch weiter nördlich zu Hause... und das lässt mich nicht mehr los. Gerade am vergangenen Wochenende wieder eine Dosis echten Norden getankt. Jeder Mensch hat seine Sehnsuchtsorte. Tohuus is dor, wo mien Hart sleit!... wenn Du verstehst.

      Wenn es dann Richtung Südosten geht, dann gleich ein paar hundert Kilometer weiter nach Ungarn. Es gibt sehr viele interessante und besuchenswerte Orte, aber man kann nicht zu jedem Ort reisen, so lange folgender Spruch keine Realität ist: "Beam me up, Scotty!" Allerdings sagt man ja auch: Sag niemals nie! Derzeit erfreue ich mich weiterhin an Deinem interessanten Thema. Deshalb nun schnell thematisch zurück in die Oberlausitz. :wink:

      Freundlichen Gruß, René
    • Nun gut, dann weiter im Text:

      Zurück aus dem England-Urlaub konnte ich gleich wieder Material abholen: In der Zwischenzeit konnten zwei Biegearbeiten für den Pufferbau erfolgreich ausgeführt werden.


      Nach einigen Schwierigkeiten konnte doch eine Firma gefunden werden, die die Biegeteile für die runden Schäkel der Kuppelketten anfertigen kann. Diese wurden nun fertiggestellt.
      Die lokalen, rund 20 angefragten Schmiede/Metallbauer waren entweder nicht interessiert oder in der Mehrzahl gar nicht in der Lage, diese Teile aus 25er Rundmaterial zur fertigen. Da mir in der heimischen Werkstatt jedoch (noch) Schmiedefeuer/Brennzeug fehlen, war ich auf Fremdfertigung angewiesen. Letztlich war ich mit der Suche nach einer geeigneten Firma ganz in der Nähe der Lok bei einer Maschinen- und Bauschlosserei in Bad Muskau erfolgreich.


      Ganz ähnlich erging es mir mit den gebogenen Winkeln aus L100x65x11 für die Pufferplatten. Rund ein halbes Jahr hat die Suche nach einer Firma gedauert, die diese Aufgabe lösen konnte. Der erste Versuch bei einer anderen Firma schlug fehl, da dort mittels Hydraulikpresse kein durchgehender und gleich gar nicht passender Radius gefertigt werden konnte. Die gelieferten Profile waren stark verworfen, wiesen Falten und Winkelverzug auf. Eine Biegespezialbetrieb aus Zeithain konnte nun mittels Walzenbiegemaschine mit Niederhaltereinrichtung das Profil biegen. Die Handelslänge von 6 m wird noch in die benötigten 4 Einzelteile geschnitten und dann abgeholt.

      Im September konnten die ersten beiden Fenster fertiggestellt werden.

      Ein weiterer Satz Beschläge war zu fertigen, hier die Teile für einen Handgriff, fixiert zum Verschweißen. Bei letzterem wird wie bei mir üblich das E-Handschweißverfahren angewendet, mit WIG wäre es natürlich auch möglich, doch fehlt dazu die Ausrüstung.


      Die Beschläge wurden an den bereits grundierten Rahmen befestigt und dieser anschließend gespachtelt. Hierbei werden nur die Rückseiten der Bohrungen von den Beschlagteilen ausgefüllt, ein wenig Gussoberfläche soll noch erkennbar bleiben.


      Nach der zweiten Grundierung bekommen die Rahmen zweimal Lack. Das rechte Fenster träg die Halter für das Schutzgitter, dass die Scheibe vor Beschädigung beim Bekohlen schützt.

      Die Rückseite mit den Handgriffen und Ösen für die Feststellhaken.


      Nun ging es ans Einglasen. Die erste ESG-Scheibe wurde probeweise eingesetzt, sowohl die handgeschnittenen Scheiben als auch die gegossenen Rahmen haben gewisse Toleranzen und müssen zunächst paarweise eingepasst werden. Für die formschlüssige Sicherung der Scheiben werden wie im Original je 4 Kittstifte verwendet.


      Fertig eingekittet präsentiert sich hier die Vorderseite eines der Fenster. Die schwarze Dichtmasse ist witterungsbeständig, dauerelastisch, übersteichbar und lässt sich gut verarbeiten.


      Da ich kurz darauf nach Weißwasser musste, um weitere Teile abzuholen, konnten die beiden Fenster gleich eingebaut werden. Der Einbau verlief ohne Schwierigkeiten.


      Das Schutzgitter lässt sich zur besseren Reinigung des Fensters ohne Werkzeug abnehmen. Wegen des guten Wetters konnten die Arbeiten im Freien ausgeführt werden.


      Auch in der Führerhausrückwand ist das erste Fenster eingebaut. Nach den bekannten Bildern fehlten die hinteren Fensterrahmen schon seit dem Herbst 1975, die vorderen wurden später in Gera demontiert und sind verschollen.


      Nach rund 40 Jahren besitzt die Lok nun wieder die richtigen Fenster. Die anderen werden in den nächsten Wochen fertiggestellt und eingebaut. Der Maschine scheint es zu gefallen ;)


      Bei der Gelegenheit wurde nach der rechten nun auch die linke Triebwerkseite gereinigt und konserviert.
      Im nächsten Bericht geht es dann weiter mit den Kupplungen.

      Gruß Sven
    • Mahlzeit!
      Es geht weiter mit den Kuppelketten. Nachdem ich nun die gebogenen Ösen aus der Lausitz mitgebracht hatte, konnte der erste Schäkel angefertigt werden.
      Die Augen dafür sind Drehteile die mit Vollanschlüssen mit den Ösen verbunden werden.


      Die beiden Schweißverbindungen haben dann auch rund 2h Arbeit in Anspruch genommen und kühlen hier gerade ab. Der Rundstab sorgte beim Schweißen für die Zentrierung der Augen und verhinderte erfolgreich jeglichen Verzug.


      Anschließend wurden die Nähte sauber verschliffen. Früher hätte man die Teile aus dem Ganzen geschmiedet, das kann heute leider kaum noch jemand (bezahlen)...


      Anprobe der Kuppelkette am Zughaken.


      Wenn die Kette nicht in Gebrauch ist, lässt sie sich in den Haken einhängen, um nicht im Gleisbett zu schleifen.

      Gruß Sven
    • Mahlzeit!
      Im folgenden soll es um die Komplettierung des Werkzeugkastens unter dem Führerstand gehen, dessen Gehäuse bereits neu gefertigt worden war.


      Die Beschaffung von passenden Scharnieren ist in dem Falle schwierig gewesen, denn die Auswahl im Eisenwarenbedarf ist ziemlich übersichtlich. Die meisten Scharniere sind zu leicht, die schweren zu groß oder unpassend in der Form. Ungebohrte Ausführungen gibt es auch kaum. Daher habe ich beschlossen, selbst welche zu fertigen. Dazu habe ich mich meiner Zeit im Werkzeugbau besonnen und ein Gesenk für die Hydraulikpresse angefertigt.


      Damit ließen sich mit etwas Übung aus den gelaserten Rohlingen brauchbare Scharniere anfertigen.


      Die Blechstärke beträgt 3 mm, somit war schon ein gewisser Pressdruck notwendig.
      Während die unteren Scharnierhälften wie beim alten Kasten angeschraubt wurden, kam bei den oberen Hälften an der Klappe das Nietverfahren zum Einsatz.


      Da beiderseitig Senkköpfe verwendet wurden, wurde von Hand genietet.


      Nach dem Drehen der Stifte konnte der Zusammenbau erfolgen.


      Der Handgriff stammt von einem alten Holzfenster, ebenso der Vorreiber. Da solche Beschläge kaum mehr hergestellt werden habe ich mir einen kleinen Vorrat aufgebaut. Der Keil unter dem Vorreiber ist ebenfalls angenietet. Die unterschiedliche Ausführung der Scharniere habe ich aufgrund der am alten Kasten vorhandenen Unterteile und deren unsymmetrischer Anordnung rekonstruiert. Offensichtlich hatte man wie bei der ganzen Kiste auch bei den Scharnieren Resteverwertung betrieben.


      Damit war der eigentliche Bau des Kasten abgeschlossen. Er wird später zur Unterbringung der Batterie für die elektrischen Aufstecklampen der Lok dienen, die für den planmäßigen Einsatz auf der WEM notwendig sind und für die es eine historisch belegte Vorlage in Form der Werklok 15 des Braunkohlenwerk "Frieden" gibt.


      Nun konnte grundiert werden. Ein Anschliff am alten Kasten zeigte, dass dieser mit Bleimennige grundiert und mit mehreren Schichten schwarzen Lackes überzogen war.


      Somit wird dieser auch wieder schwarz gestrichen, obwohl unter der Rahmenoberkante untergebracht.

      Im nächsten Bericht geht es dann mit den Pufferteilen weiter.
      Gruß Sven
    • Mahlzeit!

      Nun geht es wieder weiter mit den Pufferteilen. Als vorerst letzte große Aufgabe stand der Bau der Pufferplatten mit den angenieteten Winkeln an.
      Während die Pufferplatten selbst nur zugeschnitten und gerollt werden mussten, haben die Winkel monatelange Recherche und viel Schriftverkehr mit möglichen Lieferanten in Anspruch genommen.


      Nach dem der gerollte Bogen von 6 m gestreckter Länge in die einzelnen Segmente geschnitten war, konnten diese weiter bearbeitet werden. Der Hauptanteil dabei wurde auf der Fräsmaschine erledigt. Viel anders mag das beim Bau der Lok vor knapp 80 Jahren auch nicht ausgesehen haben, wenn man von wenigen Details absieht ;)


      Der lange Schenkel des L65x100x11 wird zunächst begradigt, hierzu wurde mit einem 12er Schruppfräser die komplette Dicke in Angriff genommen. Damit hat die Maschine schon ganz gut zu tun.


      Das obere Profil erhält zudem eine Aussparung für den Zughakenbereich. Da der seitliche Verfahrweg der Fräsmaschine "nur" 650 mm beträgt, muss für Bearbeitung der äußeren Bereiche des Bogens umgespannt werden.


      Die Bolzenlöcher für die Befestigung der Pufferplatten an den Pufferstangen werden ausgespindelt.


      Probemontage der Winkel an den Pufferstangen.


      Nun konnte auch die Pufferplatte angesetzt und geheftet werden. Im oberen Winkel wurde hiernach eine weitere Aussparung angerissen, die dann passend ausgefräst werden muss.


      So langsam erkennt man, was es werden soll. Die komplette Baugruppe wiegt rund 200 kg. Nun muss gebohrt und genietet werden, dazu demnächst mehr.

      Gruß Sven
    • Mahlzeit!

      Weiter geht es mit den Pufferplatten.


      Nachdem die gebogenen Winkeleisen mit den Pufferplatten verbohrt waren, ging es mit Fräsarbeiten weiter. Die Pufferplatte passt geradeso auf den Maschinentisch.


      Es galt den Ausschnitt für die Kuppelkette deckungsgleich in den oberen Winkel mit einzubringen.


      Die Kontur der Pufferplatte wurde als Lehre verwendet und "abgekurbelt"


      Der fertige Ausschnitt.


      Die Winkel müssen noch an den Ecken mit großen Radien versehen werden. Die Schrauben werden im nächsten Arbeitsgang durch 16 mm-Nieten ersetzt. Zudem sind die Bolzen für die Befestigung an den Pufferstangen zu drehen.


      Überblick über die Baugruppe. Für das Vernieten werden die Bohrungen noch gesenkt.

      Gruß Sven
    • Mahlzeit!

      Weiter ging es dann Ende September mit den Vorbereitungen für die Präsentation der Lok auf der Messen Modell-Hobby-Spiel vom 29.September bis 01. Oktober in Leipzig.


      Die Maschine wurde vor der Werkstatt der WEM GmbH zunächst komplett abgerüstet und einer gründlichen Reinigung unterzogen.


      Zunächst wurde mit dem Hochdruckreiniger gearbeitet, anschließend das Fahrwerk mit einem Industriereiniger behandelt. Da bei der rollfähigen Aufarbeitung 1998/99 unter sehr einfachen Bedingungen und unter freiem Himmel lackiert worden war, löste sich an vielen Stellen der Lack ab. An Führerhaus, Kessel und Kohlenkästen ist der Lack bereits seit längerem an einigen Stellen so dünn, dass die rotbraune Grundierung durchscheint.


      Der nachgefertigte Werkzeugkasten wurde nun auch angebaut.


      In der Werkstatthalle wurde dann mit der Auffrischung der schwarz lackierten Flächen begonnen. Das Führerhaus, die Kohlekästen und die Zylinderverkleidung waren
      bis zum Ende der Einsatzzeit bei Halbach dunkelgrün mit breiten schwarzen und dünnen narzissengelben Zierlinien lackiert. Für die langfristig geplante Restaurierung im Zustand Anfang der 70er Jahre wird diese Lackierung auch angestrebt, doch fehlte es vor dem Messe-Termin an ausreichend Zeit und Kapazitäten, weshalb erst einmal nur schwarz gerollt wurde.


      19 Jahre liegen zwischen altem und neuem Lack.


      Die blanken Gestängeteile wurden mit einem Konservierungsöl behandelt. Dies fand auch am Rahmen Anwendung, da der zur Verfügung stehende rote Lack um einige Nuancen zu hell und somit eine Ausbesserung nicht möglich war.


      Unterstützung bekam ich am Donnerstag von Christian aus Cottbus, herzlichen Dank dafür nochmal. Während er sich um den Rahmen kümmerte, konnte ich die Bremse durchsehen und teilweise überarbeiten.


      Im Rahmen der Arbeitswoche wurden auch die noch fehlenden beiden Fenster eingeglast und eingebaut.


      Nach 42 Jahren hat die Maschine nun wieder alle Fenster in der ursprünglichen Ausführung.


      Ein Blick aus ungewöhnlicher Perspektive, da die Lok einmal auf der Arbeitsgrube stand, konnten noch kleinere Fahrwerksarbeiten ausgeführt werden.



      Die langen Abende haben sich gelohnt, die Hilax war nun bereit für den Transport nach Leipzig.
      Gern hätte ich auch noch die neuen Puffer angebaut, doch hat die Zeit für das Vernieten nicht gereicht. Dies wird nun in der Zeit nach der Messe stattfinden, so dass die Lok über den Winter weiter komplettiert werden kann.

      Danke an alle Beteiligten für die großartige Unterstützung.

      Gruß Sven
    • Mahlzeit!

      Am 25. September fand dann der Transport der Lok nach Leipzig statt, wo sie vom 29.September bis 01. Oktober auf der Messe Modell Hobby Spiel zu sehen war. Für die Lok ist es wohlmöglich eine Rückkehr in die Vergangenheit, wurde sie doch 1938 von der Firma Erich Brangsch G.m.b.H., Feld- und Kleinbahnen Engelsdorf-Leipzig bei der Lokomotivfabrik ARN. JUNG in Jungenthal b. Kirchen a.d. Sieg bestellt und an die Carl Halbach AG, Hartstein- und Schotterwerk Bernbruch geliefert.

      Ankunft der Lok auf dem Tieflader vor der Messehalle. Die Verladung in Weißwasser fand im strömenden Regen statt.


      Nachdem es den ganzen Vormittag geregnet hatte, waren die Wolken nun aufgezogen und ließen etwas Sonnenschein zu.


      Vor der Lok sind die Gleisjoche für Ausstellungsgleis und Rampe, sowie die Holzladung für die Drehschemel zu sehen.


      Ein zweiter LKW im Vordergrund brachte den Wagenkasten des Jagdwagens und die Unterwagen mit.


      Die rechte Triebwerkseite im Gegenlicht.


      Der Tieflader der Press GmbH hat die Lok wohlbehalten in die Halle gebracht. Der Press-Transporter verfügt nicht über 600-mm-Spur und muss somit mit einem Gleisjoch ausgerüstet werden.
      In Weißwasser gibt es eine feste Verladerampe, auf der Messe musste diese erst aufgebaut werden. Insgesamt waren 6 Mann damit beschäftigt, das Material dafür wurde auf einem separaten
      Transporter angeliefert.


      Vorbereitung zum Anschluss des Transportjochs an die vorbereitete Rampe aus Kreuzstapeln und aufgelegtem Brigadegleis des 1. Weltkrieges. Dank der Absenkhydraulik des LKW konnten die Höhen von Rampe und Gleisjoch sehr bequem angeglichen werden.


      Die Lok beim Befahren der Rampe.


      Die Gleisanlage in kompletter Ausdehnung.


      Am Fuß der Rampe angekommen.


      Der fertig aufgestellte Ausstellungszug in der Messehalle 3


      Das obligatorische Gruppenbild der Mannschaft vor dem Ausstellungszug durfte natürlich nicht fehlen.

      Leider konnte ich während der Messe nicht in Leipzig sein, doch berichteten mir die Kollegen von positivem Anklang beim Publikum.

      Gruß Sven