Aufarbeitung der Jung Hilax 8293 (1938) bei der Waldeisenbahn Muskau

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    • Hallo Sven!

      Es interessiert mich schon seit sehr langem warum du das Elektroden-Hand-Schweißverfahren wählst für deine Arbeiten. Ich bin Metallbauer für Konstruktionstechnik (beziehungsweise bin ein angehender solcher) und es brachte mich schon seit langem zum nachdenken, warum ausgerechnet diese Methode verwendet wird.

      Ich bitte um Entschuldigung wenn ich das eigentlich wissen sollte, aber da wir bei uns im Betrieb nur MAG, MIG oder WIG schweißen, weiß ich reichlich wenig vom Elektrode-Hand-Schweißen. E-Hand wird nur auf der Baustelle praktiziert und da bin ich so gut wie nie und wenn dann nur um Löcher in Beton zu bohren oder Hilfsarbeiten auszuführen (die natürlich ebenso wichtig sind).
      Aber da wir gerade bei den Schweißverfahren sind: Wäre denn MAG nicht eine Alternative zum E-Hand-Schweißen? Oder sind die Kosten für ein MAG-Schweißgerät (durch Gas und Draht) zu hoch?

      Ich würde mich über eine Antwort sehr freuen!

      Mit freundlichen Grüßen


      Paul
    • Mahlzeit Paul!

      Danke erstmal für deine Frage, die ich hiermit auch gleich beantworten möchte.

      Zunächst gilt bei der Wahl des Verfahrens die Schweißbarkeit des Werkstoffes zu beachten. Da ich es bei der Aufarbeitung der Lok mit 80 Jahre altem Material zu tun habe, welches zu einer Zeit entstanden ist, als die Schweißbarkeit noch kein so wichtiges Kriterium war muss man schon etwas genauer hinschauen. Hilfe geben dabei die Konstruktionszeichnungen, die mir als Kopien für die meisten Teile der Lok vorliegen.

      Weiterhin orientiere ich mich an der Werkschweißvorschrift der DR für die Aufarbeitung, in der für die einzelnen Bauelemente die zulässigen Verfahren, Nahtarten und Schweißzusatzwerkstoffe vermerkt sind. Für Experimente ist kein Spielraum, wenn man nur einen Versuch/Bauteil hat.

      Weiterhin erfordert insbesondere das MAG-Verfahren einen absolut metallisch reinen Grundwerkstoff. Dafür kann bei dem alten Material keiner garantieren, nicht überall kann ich die Korrosionsnarben vollständig bis auf den blanken Grundwerkstoff abtragen. Zudem muss insbesondere beim Auftragschweißen das Material noch bearbeitbar sein. Aufgrund der steileren Abkühlkurve beim MAG-Verfahren kann es schneller zu Aufhärtungen kommen. Reparatur- und Auftragschweißungen haben ihre ganz eigenen Randbedingungen, nicht vergleichbar mit dem Schweißen von Neumaterial.

      Die Kostenfrage ist auch ein weiterer Gesichtspunkt: für bestimmte Sonderaufgaben eine Kleinpackung Elektroden (z.b. Basische Elektroden)zu kaufen ist auf jeden Fall billiger als eine komplette Rolle Spezialdraht, der dann monatelang nicht wieder benötigt wird.

      Für das Aufschweißen insbesondere von Innenflächen von Bohrungen hätte ich mit einem MAG-Handstück gar nicht genug Platz, also auch eine Frage der technologischen Gegebenheiten. Mit der Elektrode kommt man auch noch durch ein Schlüsselloch, wenn es sein muss;)

      Zu guter Letzt habe ich beim E-Hand-Schweißen die mit Abstand meiste Erfahrung und auch nur dafür eine brauchbare Ausrüstung.

      Gruß Sven
    • Hallo Sven!

      Ich bedanke mich sehr bei dir, dass du dir die Zeit genommen hast mir das zu erklären. Nun weiß ich bescheid und tappe nicht mehr im dunkeln mit dieser Frage.
      Hast du etwas in der Richtung Metallbearbeitung gelernt oder studiert? Du hast sehr viel Ahnung, was dir in dem was du tust garantiert nicht im Wege steht, wie man sieht :zwink: . Ich lese sehr gerne deine ausgezeichnete Beschreibung von deinen Arbeiten. Die Bilder sind wunderbar gemacht und man erkennt vieles.
      Da ich so ähnliche Arbeiten auch tun muss Tag täglich, erfreut es mich zu sehen wie man was anders machen kann.

      Weiter so, mir gefallen deine Bildberichte! Und ich spreche garantiert für einige mehr...


      Mit freundlichen Grüßen


      Paul
    • Mahlzeit Paul,

      danke für die Blumen erstmal.

      Die Leidenschaft für Dampf wurde mir in die Wiege gelegt. Als Sohn eines Eisenbahn-Ingenieurs bin ich schon frühzeitig mit der Materie in Berührung gekommen. So lernte ich das Bw Aue noch kennen und erlebte Probefahrten von frisch ausgebesserten Loks in O'thal. Bei Fototouren und Streckenwanderungen war ich oft dabei. Auch die Anfänge des Eisenbahnmuseums Schwarzenberg erlebte ich hautnah mit, von der Dienstwohnung im Empfangsgebäude war es nur ein Katzensprung bis dahin. Die allererste Berührung mit einer 600-mm-Feldbahnlok fand als 4-Jähriger 1986 in Dresden-Klotzsche statt, als der Kessel der Krauss 7789/1923 befundet wurde, die wie die Hilax auch eine Halbach-Lok aus Bernbruch ist. Das hat sich als sehr prägend erwiesen, auch wenn ich die Maschine leider nie in Betrieb erlebte.

      Rund zwei Jahrzente später habe ich in Dresden Maschinenbau mit Fachrichtung Konstruktion studiert. Die handwerklichen Fähigkeiten erlernte ich zunächst bei meinem Vater, erweiterte sie in der Schulzeit in einem Werkzeugbaubetrieb zunächst als Praktikant und anschließend einige Jahre als Ferienarbeiter. Dort habe ich die Grundlagen der konventionellen Zerspanung gelernt: Drehen, Fräsen, Bohren, Schleifen und Feilen. Der Rest kam im Laufe der Jahre bei verschiedenen Lok-Projekten hinzu und das hält bis heute an. Getreu dem Motto: Erst wenn alle Finger einer Hand gleich lang sind, kann man aufhören dazuzulernen ;)

      Gruß Sven