Aufarbeitung der Jung Hilax 8293 (1938) bei der Waldeisenbahn Muskau

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      Mahlzeit!


      Ende Juli fand ein kleiner Arbeitseinsatz in Weißwasser statt. Das Kesselwasser, das für die Überführung der Lok Anfang des Monats nach Bad Muskau gefüllt wurde, um das Aufschwingen der Rohre zu vermeiden, wurde abgelassen. Zudem war auf der linken Fahrwerkseite vorhandener Grat an den Stirnseiten der Laufflächen zu entfernen. Dafür war der Stangensatz ab- und wieder anzubauen.



      Die Lok wurde aus der Museumshalle gezogen und zum Ablassen des Kesselwassers auf ein geschottertes Gleisstück rangiert, wo das Wasser keine Ausspülungen wie im Kiesbett des Museumsbahnhofes verursacht.


      Da die Lok kein Abschlammventil besitzt, kann das Wasser nur über die 4 Reinigungsschrauben am Stehkessel abgelassen werden.


      Das Ablassen der ca. 800 L dauert rund 5 Minuten.


      Um das Wasser am Bodenring komplett zu entfernen wird ein Stück Stoff als Docht verwendet, der durch die Kapillarwirkung die letzten Pfützen heraussaugt.

      Im Anschluss wurde der linke Stangensatz abgebaut, um den Grat an den Radreifen zu entfernen.


      Beim Abbau der Stangen ist das starken Spiel in den Lagern mit bloßem Auge sichtbar. Hier wartet noch viel Arbeit.


      Blick auf eine Hälfte des vorderen Treibstangenlagers. Die Lauffläche wurde in der Vergangenheit wegen des Mangels an Buntmetallen lediglich durch Auflöten regeneriert. Der im Steinbruch überall vorhandene Gesteinsstaub hat seine Spuren hinterlassen. Die Zapfen sind ebenfalls verschlissen.


      Nach etwa einer Stunde war der Stangensatz komplett demontiert.


      Das Entfernen des Grates an der Stirnfläche der Radreifen war recht mühsam. Es ist deutlich zu erkennen, dass der Grat durch Überwalzen der Lauffläche im Laufe des jahrzehntelangen Einsatzes im harten Steinbruchbetrieb entstand.

      Da die Triebwerkseite einmal demontiert war, wurde die Gelegenheit genutzt, um ein wenig des überall reichlich vorhandenen Spiels zu beseitigen.
      Damit soll zumindest ein wenig "Ruhe" ins Triebwerk gebracht werden, damit sich der Zustand bei gelegentlichen Rangier- und Überführungsfahren nicht noch weiter verschlechtert.


      Der linke Kreuzkopf hatte mehr als 2 mm Höhenspiel und sollte daher etwas beigelegt werden. Hier ein Blick auf den oberen Gleitschuh. Die ungleichmäßige Abnutzung deutet auf eine fehlerhafte Lage der Gleitbahn hin.


      Nachdem diverse alte Beilagen entfernt waren, wurde eine Beilage aus 3 mm starkem Blech eingebaut.


      Der nachfolgende Anbau der Stangen dauerte bis in die Nacht hinein. Auch einige Bolzenverbindungen bekamen zur Reduzierung übermäßigen Spiels noch Paßscheiben eingebaut.

      Am frühen Morgen bei Sonnenaufgang fand eine Fotosonderfahrt mit der 99 3312 statt, für die die Hilax auf dem Ausziehgleis des Museumsbahnhofes rangiert und ein wenig Fotorauch erzeugt wurde. Das weiche Sonnenlicht lud zum Fotografieren einiger Stillleben ein.


      Die linke Fahrwerkseite in der Morgensonne.


      Ölkanne und Ölspritze.


      Führerstand im Sonnenlicht.



      Rechter Injektor, Bauart JUNG 60L/min.




      Stehkessel mit Wasserstandsanzeiger.





      Begegnung mit 99 3312, die gerade ihre Drehfahrt im Gleisdreieck beendet hatte und zum Bahnhof Teichstrasse zurückkehrte.



      Ein wenig Fotorauch für die Fotografen.


      Nachdem der Fotozug vorbeigefahren war, wurde aus einem Stück Flachstahl dieser Haken für die Heizerschaufel angefertigt.


      Damit hat die Schippe nun auch einen festen Platz im Führerstand.


      Gruß Sven

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      Mahlzeit!

      Weiter geht es wieder mit reichlich spanender Bearbeitung.

      Bei meinem Sommerurlaub in Schweden erläuterte mir Jonas Forsen von der Ohsabanan wie Kegelgewinde auch ohne Leitlineal an der Drehmaschine hergestellt werden können.
      Seine Methode wollte ich nach meiner Rückkehr unbedingt selbst ausprobieren. Gelegenheit dazu gaben die Reinigungsschrauben des Kessels, die ich im vergangenen Dezember aufgearbeitet hatte. Durch das zwischenzeitliche Nachschneiden der Gewinde im Kessel waren einige Reinigungsschrauben zu klein geworden und mussten ersetzt werden. Auch stimmte bei einigen die Kegelneigung nicht, da sie offenbar von einer Krauss-Lok stammten und von 11- auf 10-Gang-Gewinde umgearbeitet worden waren.


      Der Rohling wird vorgedreht.


      Der Vierkant wird im Anschluss gefräst, zunächst mit einem Schruppfräser.


      Danach wird mit einem Schaftfräser auf Fertigmaß gefräst.


      Nun wird der 1:5 Kegel mit verstelltem Oberschlitten gedreht.


      Drehen einer Zentrierspitze für das Gewindeschneiden.


      Die Zentrierspitze wird mit Übergangspassung in die Durchgangsbohrung des Futters gesetzt und mit den Backen gespannt.


      Nun wird der Rohling zwischen die Spitzen gespannt und der Reitstock seitlich verschoben bis die Kegelfläche parallel zum Bett läuft.


      Durch das Spiel zwischen Vierkant und Backen kann sich das Teil frei bewegen, wird aber sicher mitgenommen. Das 10-Gang-Gewinde nach LON 286(Lokomotiv-Norm) kann nun gedreht werden. Als Werkzeug dient ein Gewindestahl Komet FGII.


      Geschnitten werden die Gewinde mit auf 26,5° verdrehtem Oberschlitten, damit beim Schnitt nur die linke Flanke des Gewindestahls schneidet und der Schneidendruck vermindert wird.

      Die fertig bearbeitete Reinigungsschraube.


      Anprobe am Kessel.


      Nachdem die erste Schraube erfolgreich gedreht werden konnte, ging es an die Fertigung der restlichen Exemplare. Im Bild zwei neue Rohlinge und die überdrehte lange Schraube für die Rauchkammerrohrwand.

      Nachdrehen einer alten Reinigungsschraube.


      Der Vierkant der langen Reinigungsschraube war stark abgenutzt und wurde daher erneuert.


      Da der seitliche Verschubweg des Reitstocks der großen Hofstetter S6 nicht ausreichte, musste für die lange Schraube auf die UNION-WERK von 1939 ausgewichen werden.


      Nun war der komplette Satz fertiggestellt.


      Um die richtige Zuordnung zu gewährleisten, sind alle Reinigungsschrauben mit stilechter Beschriftung versehen worden.

      Gruß Sven
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      Hallo Sven :wink:

      schon seit einiger Zeit verfolge ich Deine Bauberichte. Ich bin sehr erstaunt, mit welcher
      Akribie und fachlichem Wissen diese Arbeiten ausgeführt und hier dokumentiert werden.
      Hier kann sich so mancher "Eisenbahn- und Lokschrauber" viele wertvolle Tipps abgucken. :klatsch:
      Allein jetzt wieder das "Kegelgewindeschneiden" :thumbup:

      Recht herzlichen Dank für die Mühe, uns allen Deine "Erfahrungen und Tipps" hier aufzuzeigen.

      So kann so mancher sein "Lehrgeldbudget" etwas schonen.

      Viele Grüße und Dank vom Dagvuchel :weg:
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      Mahlzeit Dagvuchel,

      danke für deine Anerkennung. Da ich selber davon profitiere, dass andere Werkstattleute ihr Wissen und ihre Erkenntnisse weitergeben, will ich das ebenfalls gern tun.

      Da das Kegelgewindedrehen nun nicht alltäglich ist und ich auch in der Literatur dazu nichts tiefgreifendes fand, war mir die Fertigung desselben einen Bericht wert.

      Gruß Sven