Torfbahnen in Holstein

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    • Torfbahnen in Holstein

      Moin,

      ich habe mich entschlossen, diese Thematik aus dem Thread "De Reis na Noordfreesland" auszugliedern und hier eigenständig zu behandeln. Die Zeiten des Torfabbaus in Holstein gehen unaufhörlich ihrem Ende entgegen. Grund genug, um diese für die Region bedeutende Industrie zu würdigen. Einige Torfwerke haben ihren Betrieb schon eingestellt, die zugehörigen Bahnen sind teilweise verschwunden.

      Folgende Torfwerke verfügen bzw. verfügten über entsprechende Feldbahnen:

      - Torfwerk Himmelmoor Quickborn
      - Torfwerk Westerhorn (Anton-Günther Meiners)
      - Torfwerk Schülp (Anton-Günther Meiners)
      - Torfwerk Westerhorn (Ernst Karl)
      - Torfwerk Dellstedt

      Eine Sonderstellung nimmt die Moorbahn in Bad Bramstedt ein, welche dem Transport des Moores zwischen Abbaugebiet und Kurklinik diente. Außerdem gab es in deren Nähe, nämlich in Großenaspe, bis in das Jahr 1973 eine weitere Torfbahn.

      Zunächst möchte ich hier die Beiträge zur Beschreibung der einzelnen Bahnen bündeln und den Thread natürlich auch mit Bildern anreichern.

      Torfwerk Dellstedt (Dieter Ehlers)

      Die Feldbahn führt vom Lokschuppen am Torflagerplatz vorbei und überquert in einem Bogen den Bach Herkmenau. Nun führt sie geradlinig über das Grundstück des Torfwerkes, wo sich auch Torfverladestelle für den Transport auf LKW befindet. Diese gerade Strecke ist knapp 300 Meter lang. Nun beschreibt die Strecke einen leichten Rechtsbogen und teilt sich nach etwa 50 Metern in einen geradeaus führenden etwa 50 Meter langen Ast und einen im starken Linksbogen ins Abbaugebiet führenden 100 Meter langen Ast. Die Gesamtlänge der heutigen Feldbahnanlage beträgt somit etwa 550 Meter.

      Im Bereich Dellstedt wird seit Mitte des 18. Jahrhunderts Torfabbau betrieben. Mit Bau der Kreisbahn Norderdithmarschen wurde auch nördlich von Dellstedt ein Torfwerk errichtet, welches über eine Feldbahn mit dem Bahnhof Dellstedt verbunden war. Schon im Jahr 1916 wurde dieses Torfwerk aber aus wirtschaftlichen Gründen wieder geschlossen. Mit der Bahn wurden zur Kultivierung des Moores große Mengen Dünger und Kalk in das Moor gefahren. Erst ab Beginn der 1970-er Jahre begann man mit Renaturierungsmaßnahmen. Die Entwässerungsgräben wurde verschlossen, um das Wasser wieder im Gebiet zu halten und Moorschnucken beweiden das Gebiet, um das Pfeifengras zurückzudrängen. In der Folge breiteten sich typische Moorpflanzen wie Sonnentau, Wollgras und Moorlilie wieder aus. Bekassine und Blaukehlchen haben hier wieder Lebensräume gefunden. Heutzutage stehen große Teile des Dellstedter Birkwildmoors, welches sich aus dem Oster- und dem Nordermoor zusammensetzt, unter Naturschutz.

      Das Torfwerk von Dieter Ehlers wird seit Anfang der 1970-er Jahre betrieben und befindet sich östlich des Ortes. Als Besonderheit wird mit Kipplorenzügen gefahren. Die Strecke weist schweres Schienenprofil auf. Das hat seinen Grund darin, dass schwere Dieselloks des Typs Ns2f eingesetzt werden, die trotz abgebauter Ballastgewichte immer noch einen Achsdruck von drei Tonnen haben. Dafür kann wegen des schweren Oberbaues mit hoher Geschwindigkeit im dritten Gang gefahren werden. Früher wurde im Zweizugbetrieb gefahren, heutzutage wird der Betrieb in bescheiderenem Umfang geführt. Ein Anachronismus ist, dass man die letzten im regulären Einsatz befindlichen DDR-Feldbahnloks des Typs Ns2f in Dithmarschen findet, obwohl es vor der Wende keine dieser Loks in den Westen Deutschlands geschafft hatte. Und so tun die letzten Exemplare heute in Dellstedt beim Torfwerk Ehlers Dienst, wo noch 3 Exemplare vorhanden sind. Insgesamt fanden in den Jahren 1993 und 1994 vier Loks den Weg nach Dellstedt, wovon eine Lok schon im Jahre 2008 als Ersatzteilspender diente. Sie kam aus dem Ziegelwerk in Möllenhagen. Die beiden Ns2f von der aufgelassenen Überlandstrecke der Torfbahn im mecklenburgischen Gubkow sind aber noch vorhanden, genau wie die Ns2f, welche vom Ziegelwerk in Malliß übernommen werden konnte. Ebenfalls aus DDR-Beständen wurden die Kipploren übernommen und so muss der Feldbahnfreund heutzutage nach Holstein fahren, um regulären Feldbahnbetrieb mit Fahrzeugen aus DDR Produktion erleben zu können.


      - Hersteller: LKM, Typ: Ns2f, Fabriknummer: 048441, Baujahr: 1953, ehemals Ziegelwerk Malliß -> Anfang der 1990-er Jahre zum Torfwerk in Dellstedt
      - Hersteller: LKM, Typ: Ns2f, Fabriknummer: 248637, Baujahr: 1955, ehemals Wohnungsbaukombinat Rostock BT Greifswald -> 1970 zur Bahn des Torfwerkes in Gubkow -> September 1994 zum Torfwerk in Dellstedt
      - Hersteller: LKM, Typ: Ns2f, Fabriknummer: 262001, Baujahr: 1958, ehemals Wohnungsbaukombinat Rostock BT Greifswald -> 1970 zur Bahn des Torfwerkes in Gubkow -> September 1994 zum Torfwerk in Dellstedt
      - Hersteller: LKM, Typ: Ns2f, Fabriknummer: 262502, Baujahr: ?????, ehemals Ziegelwerk Möllenhagen -> März 1993 zum Torfwerk Dellstedt -> diente als Ersatzteilspender

      Außerdem waren beim Torfwerk in Dellstedt noch 2 Jung-Lokomotiven und 3 UNIO-Lokomotiven vorhanden. Leider entzieht sich meiner Kenntnis, ob diese Lokomotiven noch vorhanden sind.

      Torfwerke Westerhorn (Anton-Günther Meiners / Ernst Karl)

      Anton-Günther Meiners eröffnete im Jahre 1959 ein Torfwerk. Das große und recht stilvolle Werk lag am nördlichen Ortsrand von Westerhorn. Hier gab es umfangreiche Betriebs-, Umfahr- und Abstellgleise sowie einen großen Lokschuppen, in dem die Streckenlokomotiven übernachteten. Die aus dem Moor kommenden Züge befuhren am Werk eine Gleisschleife, ähnlich einer Straßenbahn. Früher führte sogar eine Strecke weiter bis zum Bahnhof Dauenhof.

      Ausgehend vom Werk führte eine längere Überlandstrecke meist parallel zu einem Feldweg und passierte dabei auch einen größeren Bauernhof. Kurz darauf wurde das Torfwerk Ernst Karl passiert, dessen Gleisnetz an das von Meiners durch ein Ende 2007 neu errichtetes Gleisdreieck angebunden wurde. Das Torfwerk von Ernst Karl hat im März 1984 den Betrieb aufgenommen. Es bestand aus einer Verladeanlage (aufgebaut aus Containern und einem alten Güterwagen als Schuppen) und einer kurzen
      Feldbahnstrecke entlang eines Feldweges zum Abbaugebiet. Mit der Verbindung der beiden Feldbahnen wurde das Torfwerk von Ernst Karl aufgegeben. Die Stammstrecke des Torfwerkes Anton-Günther Meiners führte unterdessen geradeaus weiter, erreichte einen zweigleisigen Bahnhof und bald darauf einen weiteren siebengleisigen Übergabebahnhof am Rande des Moores, bevor das Hauptabbaugebiet erreicht wurde. Im Moor gab es einen modernen, im Jahr 2007 neu errichteten Lokschuppen, in dem während der nächtlichen Betriebspause die im Moor eingesetzten kleineren Lokomotiven untergestellt waren. Von hier aus führten mehrere Stammstrecken in das großflächige Abbaugebiet hinein. Von den Stammstrecken wurden bei Bedarf Stichgleise in die Abbaufelder verlegt. Neben den zahlreichen Gleisen im Hauptabbaugebiet gab es dann vor allem noch eine längere, landschaftlich sehr reizvolle Strecke zum Abbaugebiet Auufer. Sie führte durch Wiesen, Felder, kleine Waldstücke und folgte teilweise einem baumbestandenen Kanal. Hier kreuzte auch die Straße von Westerhorn nach Westermoor die Strecke. Im Auufer gab es abermals eine besetzte Dienststelle mit Lokschuppen. Die Strecke zum Auufer wurde schon im Jahre 1995 aufgegeben und nachfolgend abgebaut.

      Im August des Jahres 2008 wurde der Torfabbau bei der Firma Anton-Günther Meiners aufgegeben, da das Torfwerk als veraltet angesehen wurde und die Produktion zum weiteren Standort in Borstel (nahe Nienburg/Weser in Niedersachsen) verlagert wurde. Die Feldbahn wurde nachfolgend abgebaut. Da die Firma Ernst Karl weiterhin Torf in Westerhorn abbaut, wurde deren Torfwerk reaktiviert und Ernst Karl kaufte 3 Lokomotiven von der Firma Meiners. Im Jahr 2011 wurde sämtliche Anlagen des Torfwerkes Meiners abgerissen und auf dem Gelände eine Solaranlage errichtet.

      Bei den Lokomotiven des Torfwerkes Ernst Karl handelt es sich um folgende Maschinen:

      - "9" Diema, 2123/1958, DS14, Bdm, 15 PS, 2.8 t, grün, offen (13.02.1958 an Ziegelei Jütting, Coldeborgersiel)
      - "15" Diema, 2196/1958, DS28, Bdm, 28 PS, 3.5 t, grün, offen (02.12.1958 an Oberoher Kieselgurwerke, Oberohe Kr. Unterlüß)
      - "56" Diema, 2563/1962, DS20, Bdm, 22 PS, 3.3 t, grün, offen (12.10.1962 an Schöninger Ton- und Hohlsteinwerke, Schöningen b. Braunschweig)

      Die heutige vom Torfwerk Ernst Karl ausgehende Feldbahn hat eine Länge von etwa 400 Meter. Vom Stammgleis zweigen 2 Gleise in das Abbaugebiet ab. Das Stammgleis endet in einem zweigleisigen Abstellbahnhof.

      Viele Grüße, René

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    • Torfwerk Schülp (Anton-Günther Meiners)

      Bis Ende des 19. Jahrhunderts stachen die Bauern Torf im Schülper Moor. Dann setzte der industrielle Torfabbau ein. Seit 1928 baute die Firma Meiners den Rohstoff ab. Arbeitskräfte waren unter anderem Häftlinge, denn hier befand sich eine Außenstelle des Gefängnisses Fuhlsbüttel. Auch Kriegsgefangene mussten mit anpacken. Mitte der 50er Jahre gingen die Inhaftierten und kamen Gastarbeiter aus Italien, später aus der Türkei. Einheimische arbeiteten kaum im Moor. Bis etwa 1959/60 bestand sogar eine direkte Gleisverbindung zur DB nach Aspe, so daß bis dahin die Möglichkeit einer direkten Bahnverladung bestand. Der Torf wurde noch an Ort und Stelle im firmeneigenen Torfwerk verarbeitet. Im Werk gegenüber des großen Lagerplatzes wurde der Torf gesiebt, Dünger untergemischt, verpackt und auf Paletten geladen. In Spitzenzeiten arbeiteten 40 bis 50 Menschen im Moor und im Torfwerk. Es wurden 120000 Kubikmeter Torf pro Jahr abgebaut.

      Im Jahr 1987 lagen im Abbaugebiet noch etwa 10 km Gleis und 118 hölzerne Kastenloren dienten dem Abtransport des Torfes. Dann wurde die Förderfläche von einst 200 auf knapp 70 Hektar reduziert. Die Verantwortlichen konzentrierten den Betrieb auf den Abbau und legten das Torfwerk im Jahr 1998 still. Der Torf wurde zu anderen Werken transportiert, die selbst keine eigenen Moorflächen hatten.

      Das Torfwerk verfügte über stilvolle Gebäude. Von 1998 bis 2008 pendelten die Züge zwischen Moor und LKW-Verladung. Nur zum Übernachten fuhren die Lokomotiven noch in das Werk, wo sich der Lokschuppen befand. Zum Ende hielten noch zwei Männer in Schülp den Betrieb aufrecht. Im Jahr 1989 verlängerte der Kreis nämlich zum letzten Mal die Abbaugenehmigung. Bis 2007 durfte das Unternehmen Torf fördern. Im Jahr 2008 fuhr dann die letzte Feldbahn zwischen Moor und Verladeanlage.

      Bis Ende des Jahres 2012 wurden von der Firma Meiners im Moor die Entwässerungsgräben aufgefüllt, die Pumpstation abgebaut und die letzten Torfhalden abgeräumt. Bis heute sind noch etwa 500 Meter Feldbahngleis zwischen Verladeanlage und Moor vorhanden. In Schülp wurden nur hölzerne Torfwagen eingesetzt, von denen noch einige auf der Reststrecke zum Moor erhalten geblieben sind. Bei Betriebseinstellung der Feldbahn waren noch 5 DIEMA-Loks vorhanden:

      - Fabriknummern: 1828 (Bj.: 1955), 1912 (Bj.: 1956), 2051 (Bj.: 1957), 2295 (Bj.: 1959) und 2744 (Bj.: 1964)

      Im Jahr 2010 kaufte ein Einheimischer das Torfwerk und wollte ein Museum unter Einbeziehung von Teilen der Feldbahn aufbauen. Leider wurde dieses Projekt bis in die heutige Zeit nicht realisiert. Im Jahr 2017 wurde in der Presse gemeldet, dass nun eine Craft-Beer-Erlebnisbrauerei auf dem Gelände des Torfwerkes geplant ist.

      Torfwerk Himmelmoor Quickborn

      Ein letztes Mal fuhr die Torfbahn des Torfwerkes im Himmelmoor Ende Juni 2018 raus und kehrte mit acht vollen Loren zurück. Dann ging nach 150 Jahren eine Ära zu Ende. Es ist eine historische Zäsur, die sich dieser Tage in
      Quickborn ereignet. Die Fuhre steht vor der Halle des Torfwerks, um verarbeitet zu werden. Acht Loren voll Torf. 40 Kubikmeter, die 16 Tonnen wiegen. 150 Jahre industrieller Torfabbau – eine Ära geht zu Ende.

      Als der heutige Betriebsleiter im Jahr 1977 als Fabrikmeister anfing, gab es noch 15 festangestellte Mitarbeiter und 50 Strafgefangene, die täglich aus Neumünster zum Torfstechen ins Himmelmoor gebracht und wieder zurück transportiert wurden. Die Gefangenen mussten mit der Hand arbeiten. 40 laufende Meter, etwa 30 Kubikmeter – war ihr Tagessoll. Den Torf mussten sie mit der Schaufel 80 Zentimeter tief ausgraben und ihn in Quadersoden einen Meter hoch aufschichten, damit er trocknen konnte. Wer die doppelte Menge schaffte, bekam eine Packung Tabak in der Woche extra.

      Die Blütezeit hatte der Torfabbau im Himmelmoor in der Vor- und Nachkriegszeit. Damals arbeiteten auf dem Areal bis zu 2500 Menschen, die sich zu fünft jeweils eine kleine Parzelle von 15 bis 30 Kubikmeter Torf teilten, die sie selbst ausgraben, trocknen und wegschaffen mussten. 24 Kubikmeter reichten damals, um ein Familienhaus im Winter zu heizen. Das endete abrupt 1960, als das Heizöl billiger wurde. Auch die Gefangenen kamen nach 1990 nicht mehr. Strafgefangene waren seit 1915 eingesetzt worden, im Zweiten Weltkrieg auch Kriegsgefangene.

      Der König Christian VII. von Dänemark und Norwegen, der auch Herzog von Schleswig und Holstein gewesen war, hatte die Ränder des Moores in 1000 bis 5000 Quadratmeter große Parzellen an die Bauern der benachbarten Dörfer Bilsen, Borstel-Hohenraden, Hemdingen, Quickborn und Renzel verteilt, damit sie den Torf als Brennstoff nutzen konnten. Darum seien bis heute etwa 250 Hektar des äußeren Moores in Privatbesitz. Sie gehören 450 Eigentümern.

      In den 1870er Jahren begann der industrielle Torfabbau unter Zuhilfenahme von ersten Maschinen im Zentrum des Moores. Seit 1920 gehörte das Torfwerk der Familie Hornung aus Neumünster, mittlerweile in dritter Generation. Die Abbaufläche – einst 150 von 660 Hektar – gehört seit 2008 den Landesforsten. Mit Erwerb der Flächen durch die Landesforsten endeten dann auch die Lorenfahrten für Besucher, die 25 Jahre lang seit 1982 fast täglich anboten wurden. Bis zu 3000 Menschen fuhren mit der Bahn Sommer für Sommer durchs Moor. Wenn die Quickborner Bürgermeister auswärtigen Besuch hatten, stand immer eine Fahrt auf dem Programm. Jahrzehntelang wurden jedes Jahr etwa 40.000 Kubikmeter Torf aus dem Moor geholt. Längst nicht mehr mit der Schaufel, sondern mithilfe einer Fräse, die den Torf oberflächig abtrug und dann entlang der Schienen ablagerte. Die Maschine wurde von den Mitarbeitern des Torfwerkes selbst gebaut.

      15 Lastwagenladungen gingen da täglich vom Hof. Seit fünf Jahren wurde dem dunklen Quickborner Torf zur Hälfte hellerer aus Litauen untergemischt, der dafür eigens nach Schleswig-Holstein gebracht wurde. Der heimische Torf war nicht mehr gut genug für die Containerpflanzen. In den letzten Jahren lag ein Hauptaugenmerk auf der Renaturierung und der Wiedervernässung des Moores. Bis auf 15 Hektar sei die gesamte Fläche inzwischen wieder vollkommen vernässt. Die Natur kann sich erholen. 2,5 Millionen Euro wurden in dieses Projekt investiert und 200 Hektar Ausgleisflächen erworben.

      Die Stadt Quickborn kaufte das Torfwerk im September des Jahres 2016, damit das Gelände nach Beendigung der Torfproduktion nicht als Industriebrache endet. Die Stadt will sich mit dem Kauf die Möglichkeit offen halten, das Gelände als Museum, für die Naturkunde oder für kulturelle Zwecke zu nutzen. Sie möchte auch den Betrieb der Torfbahn aufrechterhalten, auf die die Feuerwehr bei Einsätzen in dem Naturschutzgebiet angewiesen ist.

      Auch nach Ende des industriellen Torfabbaus und der Schließung des Torfwerkes bietet der im Jahr 2015 gegründete Verein "Arbeitsgemeinschaft Torfbahn Himmelmoor" von Mai bis Oktober Rundfahrten mit der Torfbahn durch das Himmelmmor an. Nach Produktionsende des Torfwerkes ist nun geplant, das Torfwerk in den nächsten Jahren in enger Zusammenarbeit mit dem Förderverein Himmelmoor und der Stadt Quickborn zu erhalten und zugänglich zu machen. Bereits in den letzten Monaten haben die ehrenamtlichen Mitarbeiter der Torfbahn zunehmend Arbeiten zur Instandsetzung des Rollmaterials und des Gleisnetzes vom Torfwerk übernommen. Mit dem Rückzug des Torfwerkes steht die Arbeitsgemeinschaft Torfbahn Himmelmoor endgültig auf eigenen Füßen.

      Viele Grüße, René
    • Moin tosamen,

      jetzt geht es mit den eigenen Bildern weiter, welche ich nun "zukunftssicher" im https-Format hochgeladen habe.

      Torfwerk Dellstedt am 08. Februar 2018

      Am 08.02. fuhr ich mit meiner Tochter nach Dellstedt, einem schönen kleinen Dorf in Dithmarschen. Etwas außerhalb des Ortes befindet sich an der Straße zur Eider das Torfwerk von Dieter Ehlers, welches über eine Feldbahn verfügt. Auf dieser Feldbahn in der Spurweite von 600 mm werden nun schon seit Jahren die letzten Ns2f von LKM im regulären Betrieb eingesetzt.

      Bei unserer Ankunft war leider keine Menschenseele zu sehen, nur ein äußerst großer, freilaufender und offensichtlich sehr missgelaunter Hund bewachte das Grundstück. Für meine Tochter, die ja eigentlich Hunde liebt, war dies Aufforderung genug, wieder den Innenraum des Autos aufzusuchen. Auch ich verspürte wenig Lust, mir den Hosenboden mit einem besonders animalischen Tatoo verzieren zu lassen und so machte ich meine paar Bilder eben so, dass sich der Hund zwar für diesen kurzen Augenblick etwas gestört fühlte, aber doch am Ende beide Seiten mit ihrer Arbeit recht zufrieden sein konnten. Ich hatte ein paar Bilder und der Hund erfolgreich das Grundstück bewacht. Da ich das Grundstück auch nicht unerlaubt betreten wollte, konnte ich auch keine Bilder vom weiteren Streckenverlauf machen, denn um zum Moor zu kommen, muss man das Grundstück überqueren.

      Zuerst werfen wir hier einen Blick auf den Bereich der Torflagerstätte, wo der Torf von den Loren gekippt wird. Im Februar wird dieser Bereich aufgrund Winterpause natürlich nicht benötigt. Dafür kann man gut das aufgeständerte Feldbahngleis in diesem Bereich erkennen.



      Die Feldbahn führt über die Herkmenau und erreicht anschließend die LKW-Verladeanlage.



      Die Brücke über die Herkmenau aus anderer Perspektive. Die Herkmenau ist ein ruhiges und etwa 5 Kilometer langes Fließgewässer, welches in Dellstedt entsteht und von hier aus Richtung Osten fließt bis es schließlich in die Eider mündet. An den Ufern gibt es kaum Büsche und Bäume, denn die Wiesen und Felder reichen meist bis zur Böschung heran.



      Auf dem Gleis in Richtung Moor waren bei der LKW-Verladeanlage die Fahrzeuge der Feldbahn abgestellt.



      Den Abschluss dieses kleinen Berichtes bildet eine Ansicht der Fahrzeugparade, bestehend aus 3 LKM-Lokomotiven, 2 Gmeinder-Lokomotiven und diversen Kipploren.



      Insgesamt machte die Anlage einen außer Betrieb befindlichen Eindruck, was im Winter aufgrund der Betriebsruhe schlecht einzuschätzen ist. Deshalb habe ich Herrn Ehlers kontaktiert. Ich erhielt folgende Antwort: "Die Feldbahn in meinem Betrieb ist nach wie vor noch im Einsatz, wenn auch nicht mehr in dem Umfang, wie es noch vor einigen Jahren der Fall war."

      Im Juli versuchte ich nach einem Besuch des Storchendorfes Bergenhusen die Feldbahn in Dellstedt zu erreichen. Allerdings erfuhr ich erst vor Ort, dass die Eiderbrücke bei Pahlen wegen Bauarbeiten gesperrt war. Die erforderliche größere Umleitung bin ich dann nicht gefahren, da ich meine Tochter pünktlich von einer Veranstaltung abholen musste. Vielleicht kann ich im Herbst nochmals nach Dellstedt fahren.

      Viele Grüße, René

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    • Moin Holger,

      dass Du die Dellstedter Bahn favorisierst, kann ich gut verstehen. :zwink: Ich hoffe, dass ich die Bahn vielleicht doch nochmal in Betrieb erleben kann. Sollte ich Neuigkeiten erfahren, werde ich hier berichten. Eine Torfbahn im musealen Betrieb befindet sich im Himmelmoor bei Qickborn. Dort werden regelmäßige Fahrtage und Exkurisionen angeboten. Außerdem gibt es Fahrtage auf dem Reststück der ehemaligen Moorbahn in Bad Bramstedt. Diese Bahn diente ihrem ursprünglichen Zweck, nämlich dem Transport von Moor zwischen Moorgebiet und Rheumaklinik, in den Jahren von 1930 bis 1977. Auf diese Bahn werde ich bei Gelegenheit noch näher eingehen.

      Viele Grüße, René
    • Moin tosamen,

      nun möchte ich auch den Bericht über die Torfbahn in Westerhorn mit Ergänzungen in diesem Thread erneut veröffentlichen.

      Torfwerk Ernst Karl in Westerhorn am 09. Juli 2018

      Bevor ich das Torfwerk besuchte, habe ich angefragt, ob ich die Bahn besuchen kann und ein paar Bilder machen darf. Eine freundliche Mitarbeiterin antwortete mir und gestattete meinen Aufenthalt im Bahnbereich, mit der Bitte, das Gelände des eigentlichen Torfwerkes nicht zu betreten. Dieser Bitte kam ich gerne nach... und so entstanden die folgenden Bilder. Die Bahn selbst ist eher sporadisch in Betrieb, aber auch das Stillleben einer Feldbahn hat in meinen Augen seinen unwiderstehlichen Reiz.

      Von der Straße Glindesmoor nach Westerhorn führte das Navi über einen Feldweg an mehreren Bauernhöfen vorbei zur Florastraße, wo sich das Torfwerk befindet. Zunächst folgt eine Übersichtsaufnahme über die Anlagen des Torfwerkes. Auf dem Gelände des Werkes beschreibt das Gleis einen Kreis, mit dem Abzweigen zur Entladung und zum Abstellen der Loks und Blechkastenloren.



      Hier sieht man die Ausfahrt aus dem Torfwerk. Die Strecke folgt dann einem Feldweg, um dann einen Entwässerungsgraben zu überqueren. Dieser Graben entwässert in den Breitenburger Kanal, welcher in die Stör mündet.



      In diesem Entwässerungsgraben hat sich ein Schwanenpaar mit Nachwuchs niedergelassen. Im Hintergrund verläuft das Feldbahngleis.



      Vom Hauptgleis führen Abzweigungen in das Moorgebiet, welche bei Bedarf mit "fliegenden Gleisen" flexibel erweitert werden können.





      Ein weiteres Bild des Abbaugebietes. Die Moorflächen sind teilweise geflutet. Der Torfabbau soll in den nächsten Jahren in Schleswig-Holstein zu Ende gehen.



      Am Ende der Strecke befindet sich ein Lagerplatz für Gleisjoche und eine Abstellanlage für einige Loren.



      Hier ein Bild von Lok 9, die mit ihren 60 Jahren manch heutigem musealen Fahrzeug locker Konkurrenz machen kann.



      Mit dem letzten Bild möchte ich noch Lok 56 in Szene setzen. Die laut Bestandslisten wohl auch vorhandene Lok 15 konnte ich bei meinem Besuch nicht entdecken, allerdings waren auch nicht alle Bereiche des Torfwerkes einsehbar und wie schon erwähnt habe ich den Bereich des Werkes nicht betreten.



      Kleiner Exkurs:

      Ganz in der Nähe des Moores befindet sich übrigens die normalspurige Anschlussbahn Lägerdorf mit den Nebenanschlussbahnen des HOLCIM-Zementwerkes und der Vereinigten Kreidewerke Dammann. Die Anschlussbahn schließt an der Awanst Alsen an die Marschbahn an. Der Bahnhof Lägerdorf befindet sich in Kilometer 6,5. Von hier sind es etwa weitere 2,5 Kilometer bis zum Werkbahnhof der Zementfabrik.

      Von 1868 bis 1966 verkehrte auch eine schmalspurige Werkbahn zwischen Lägerdorf und der Zementfabrik Alsen, die eine Spurweite von 860 Millimeter hatte. Die Gleisanlagen wurden bis 1972 abgebaut.

      Außerdem gab es von 1908 bis 1977 die mit 13,5 Kilometer längste Drahtseilbahn Europas zum Materialtransport zwischen der Tongrube in Agethorst und der Zementfabrik Alsen. Hier ein recht interessanter Bericht vom NDR über dieses historische Verkehrsmittel.



      Tschüs un bit anner Maal,

      René
    • Hallo,

      es handelte sich um die Lok 8 der schmalspurigen "Kreidebahn" der Alsen'schen Zementfabrik. Hersteller: MaK, Fabriknummer: 401029, Baujahr: 1958.

      Die Lokomotive wurde 1967 nach Stilllegung der Kreidebahn von den Schöma-Werken in Diepholz auf die Spurweite 1000 mm umgebaut und erhielt für den Rollbockverkehr zusätzlich Zug- und Stossvorrichtungen für Normalspurwagen. Sie wurde dann als D 08 bei der Kreisbahn Aurich eingesetzt. Allerdings war sie schon bald nicht mehr ausgelastet und wurde 1969 nach einem Kupplungsschaden abgestellt. 1971 kam sie zur Brohltal-Eisenbahn-Gesellschaft wo sie mit der Bezeichnung D 4 bis 1986 im Einsatz war, vorwiegend als Reserve und für den Vulkan-Express. Im Jahr 1989 gelangte sie über den Fahrzeughändler NEWAG in Oberhausen zur Rhätischen Bahn. Die Lok wurde an die RhB-Normalien angepasst und ihre Typbezeichnung war nun Gm 4/4. Sie erhielt die neue Betriebsnummer Tm 241. Die Lok erwies sich in den ersten Jahren als sehr störanfällig, so dass man sich 1999 zu einem größeren Umbau in der Hauptwerkstätte (HW) Landquart entschloss. Dabei blieben Fahrwerk, Rahmen und Aufbauten weitgehend erhalten, Motoren, Getriebe, Steuerung und Kühleranlage wurden erneuert, auch der Führerstand wurde den übrigen RhB-Lokomotiven angeglichen. Seit dem Umbau wird sie ohne Probleme zumeist in Untervaz im Rangierdienst eingesetzt.


      Lok Tm 241 der RhB im Jahr 2009 in Untervaz (Quelle: unter freier Lizenz bei Wikipedia)

      Mit den Lokomotiven 11 und 12 fanden übrigens zwei weitere Lokomotiven der Kreidebahn ebenfalls im Jahre 1976 den Weg in die Schweiz zur Furka-Oberalp-Bahn. Dort erhielten sie die Typbezeichnung Tm 2/2 und Lok 11 die Nummer 4971 und Lok 12 bekam die Nummer 4972. Beide Lokomotiven waren 1960 bei SCHÖMA in Diepholz gebaut worden. Nach dem Verkauf an die Furka-Oberalp Bahn wurden die Loks von SCHÖMA in Diepholz umgebaut. Die Spurweite wurde von 860 mm auf 1000 mm umgerüstet und die Loks erhielten ein der FO angepasstes Bremssystem. Die FO setzte die 4971 mit Nase Richtung Brig und die 4972 mit Nase Richtung Oberwald auf die Gleise, so dass die Tm 2/2 in Doppeltraktion eingesetzt werden können. In folgenden Video kann man den Rangiertraktor 4971 bei seiner Arbeit in Andermatt sehen.



      Somit hatten von den ehemals 12 vorhandenen Lokomotiven (davon 7 Dampflokomotiven) der Kreidebahn immerhin 3 Lokomotiven mit neuer Spurweite in der Schweiz ein neues Zuhause gefunden.

      Viele Grüße, René

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von rekok73 () aus folgendem Grund: Aus dem Bohltal das Brohltal gemacht und einige Informationen ergänzt.