Radebeul Ost - Radeburg 1985 - 1990

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    • Radebeul Ost - Radeburg 1985 - 1990

      Hallo liebe Freunde der schmalen Spur,

      nachdem ich Euch letztens nach Mügeln entführt habe - Oschatz - Mügeln in den 80ern, geht nun unsere Reise durch Sachsen weiter. Den Zeitraum fasse ich gleich von Vornherein bis 1990 und hoffe, dass Euch Bilder und Bericht trotz der technischen Unzulänglichkeit gefallen.
      Für Freunde der Fototechnik unter Euch, einige Sätze zu meinen Fotoapparaten.
      Ungefähr mit 14 Jahren bekam ich eine russische Vilia-Kamera geschenkt. Das Ding war völliger Schrott. Das Objektiv mit einer Brennweite von um die 40 mm (also Weitwinkel) glänzte durch erhebliche Abbildungsfehler und sehr krasse Randunschärfe. Ihr werdet es auf den Fotos sehen. Die Aufwickelspule war nicht tief genug im Gehäuse versenkt, so dass der aufgewickelte Film nach etwa 20 Aufnahmen beim Spannen immer die Andruckplatte anhob, wodurch das Zahnrad zum Fördern des Films unwirksam wurde und die Perforation zerschnitzelte. Ein ordentlicher Filmtransport war nun unmöglich und die Kamera nahm nun Bild für Bild an einer Stelle auf. Ihr könnt Euch denken, wie groß die Freude nach dem Entwickeln war. Kurzum, die Kamera war unbrauchbar.
      So bekam ich mit etwa 15 Jahren, also im Jahr 1985 eine gebrauchte und ziemlich alte Werra-Kamera von meinem Vater. Die war soweit in Ordnung, besaß eine Zeiss-Optik und man konnte eigentlich ordentliche Fotos damit machen, wenn sich nicht eine gewisse Altersschwäche auch bei ihr eingestellt hätte, die ich zunächst gar nicht bemerkte. Der Verschluss wurde mit der Zeit immer ungenauer, sprich langsamer. Die eingestellten Belichtungszeiten konnte er nicht einhalten und belichtete immer länger. Die nun von mir immer häufiger verwendeten Diafilme verlangten aber eine genaue Belichtung. Es gelangen nur noch Dias, die eigentlich völlig falsch eingestellt waren. Es war Zufall. Dazu kam, dass die Andruckplatte bzw. der Belichtungsschacht ab 1987 irgend welche Grate besaß, die mir die Filme zerkratzten.
      Es musste Ersatz her und Ende 1987 konnte ich endlich mit meiner ersten Praktica MTL 5B fotografieren, was aber leider nicht automatisch für fehlerfreie Fotos sorgte.
      Verzeiht mir also, wenn nicht alles so perfekt ist.

      Mein Hauptaugenmerk lag - wie immer damals - mal wieder auf der Lok. Darum sind Züge oft abgeschnitten.

      Steigt also ein und kommt mit auf die erste Traditionsbahn der Deutschen Reichsbahn.



      Mein erster Besuch im Oktober 1985 war fotografisch eine wahre Enttäuschung. Ich habe dort so gut wie alles versaut, was versaut werden konnte. Darum brachte ich nur sehr wenige Fotos mit nach Hause, wovon diese Szene mit der in Radeburg abfahrbereiten 99 781 den Auftakt bilden soll. Es gab in Radebeul eine Besonderheit. Zum Schutz vor Zerstörung durch den Kohlehunt wurden die hinteren Spitzenlichter gern unter dem Laufbrett angebracht. Die hinteren Nummernschilder fehlten zudem häufig, wie hier auch an 99 781 sichtbar.
      Gestern habe ich sie übrigens noch gefahren. 99 781 ist heute eine Lok der RüBB.



      In Radebeul Ost ist die Lok mit ihrem Zug angekommen und rangiert nun zum Heizhaus, das zu dieser Zeit eingerüstet war. Im Hintergrund macht der Heizer die 99 793, an diesem Tag zweite Lok im Umlauf, für die Streckenfahrt stark. Der Schornstein des Arzneimittelwerk Dresden im Hintergrund bestimmte wieder einmal die Silhouette am Bahnhof Radebeul Ost.

      Schon 1968 begannen Eisenbahnfreunde in Radebeul historische Schmalspurwagen zu sammeln und zu pflegen. Dazu kam zunächst die IV K 99 535, die anschließend in das Verkehrsmuseum Dresden umzog. Dies bildete den Grundstock der Fahrzeugsammlung und wurde maßgeblich von dem Dresdner Eisenbahner und Eisenbahnfreund Fritz Hager initiiert, der weitsichtig wie er war, die Bedeutung dieser einmaligen Fahrzeuge als Andenken an die Frühzeit der sächsischen Schmalspurbahnen erkannte. Nachdem schon 1968 und 1971 in Radebeul Ost Fahrzeugausstellungen mit historischen, aber damals oft noch im täglichen Einsatz erlebbaren Lokomotiven organisiert worden waren, gründete sich im Modelleisenbahnverband DMV die Arbeitsgemeinschaft 3/58, die 1974 den Traditionsbetrieb auf der Schmalspurstrecke Radebeul Ost - Radeburg aus der Taufe hob. Aus Mügeln wurde die IV K 99 539 nach Radebeul Ost versetzt und mit einem Wagenpark aus alten Vierachsern ein Traditionszug gebildet, der an ausgewählten Tagen unter Begleitung durch die Eisenbahnfreunde der AG 3/58 eine Zeitreise anbot. Fahrgäste in historischer Kleidung waren genauso willkommen, wie Eisenbahnfreunde mit Fotoapparat. Im Fahrplan standen immer auch Fotohalte und Scheinanfahrten. Waren die Fahrzeuge zunächst von den täglich eingesetzten noch kaum zu unterscheiden, versetzte man sie nach und nach in einen historischen Zustand. Die Lok wurde grün und im Bild der Königlich Sächsischen Staatseisenbahnen gestaltet. Auch der Wagenpark wurde dieser Epoche angeglichen, während 1979 (?) ein zweiter Zug im Zustand der DRG mit der damals letzten betriebsfähigen Nachbau-VI K 99 713 gebildet wurde. Ab 1986 stand mit kurzzeitig 99 568 (Freital-Hainsberg) und dann mit 99 561 auch eine IV K im DR-Zustand für die Traditionszüge bereit.

      Ich hatte es natürlich auch auf diesen Traditionsbetrieb abgesehen, der mir aus Büchern und Zeitschriften schon bekannt war. Das Kursbuch der DR druckte die geplanten Fahrtage und den Fahrplan jeweils ab. Fahrkarten gab es in Radebeul Ost am Schalter, notfalls auch am Zug. Es konnte also losgehen.



      99 539 am 19.Juli 1986 vor dem Heizhaus in Radebeul Ost. Innen ist die schilderlose 99 713 zu erkennen, die nicht so häufig zum Einsatz kam. Rechts hat man die 99 794 kalt abgestellt.
      Die Lok wurde in den 60ern umfassend erneuert und damit auch optisch verändert. Die Traditionsbahner hatten inzwischen versucht, nicht nur die Farbe, sondern auch einige Einzelteile dem Ursprungszustand anzunähern.



      Offenbar hatte ich Vilia und Werra parallel im Einsatz, so dass gleichzeitig auch Schwarzweißfotos entstanden, wie hier der abfahrbereite Traditionszug am Bahnsteig in Radebeul Ost. Man konnte die Abfahrt nicht verpassen. Ein Traditionsbahner läutete mit einer Handglocke rechtzeitig vorher und forderte zum Einsteigen auf.
      Nehmen wir uns also die Zeit und schauen wir noch kurz nach den historischen Fahrzeugen.



      Da war mir natürlich die zweite bei der DR erhaltene Nachbau-VI K ein Foto wert. 99 715 führte die Reihe der historischen, meist aber nicht betriebsfähigen Wagen an. Sie war damals nicht betriebsfähig und nur äußerlich aufgearbeitet. Rechts marschiert der damalige Vorsitzende der AB 3/58 Claus Burghardt forschen Schritts ins Bild. Zeit, wieder den Traditionszug aufzusuchen.



      Natürlich gab es auch an den Fahrtagen des Traditionszuges ganz normalen Betrieb mit damals zwei Planloks der BR 99.77-79. 99 787 rangiert hier auf den umfangreichen Gleisanlagen des Bf. Radebeul Ost.
      Nun wird es aber Zeit, die Glocke ertönt.



      Ob wir noch irgendwo gehalten haben? Ich weiß es nicht mehr. Jedenfalls mussten wir in Friedewald Bad halten, denn der Planzug kam aus Radeburg entgegen.



      Wechsel der Kamera...
      Der Planzug war mit 99 779 bespannt und wartete in Friedewald Bad auf das Abfahrsignal.



      Wie immer wurde auch in Moritzburg ein Halt eingelegt. Auch wenn mich der Betonmast der Pfeiftafel etwas stört, will ich Euch dieses Foto der wichtigsten Zwischenstation nicht vorenthalten.



      Was wäre ein Traditionszug ohne Scheinanfahrt und so schwärmten auch bei Cunnertswalde zahlreiche Fahrgäste aus, um ihr Foto vom Zug zu machen, der in offenbar rasantem Tempo davon fuhr. Mir war es damals offenbar gar nicht wichtig, die Menschen auszublenden.



      Nach der Ankunft fand sich die Lokomotive bald vor dem Heizhaus ein. Pause für Personal und Lok. Ich glaube, dass ich mit meinem Freund damals die Innenstadt von Radeburg erkundete.



      Kurz vor der Abfahrt in Radeburg traf der Güterzug mit 99 787 ein, die ich nicht vernünftig fotografiert habe. In Moritzburg kreuzten wir wiederum mit 99 779, der ich auch ein Foto widmete.






      Wenn ich Euch auch kein Foto des Güterzuges von 1986 bieten kann, so möchte ich Euch zumindest die identische Situation im Sommer 1987 zeigen, als ich noch einmal den Traditionszug nutzte. 99 788 hat den Güterzug gebracht, der auch wieder Fracht für das Schamottewerk dabei hatte, das über eine Anschlussbahn an den Bf. Radeburg angeschlossen war.
      Aber bitte, wer hat diese Lampe an der Rauchkammertür verbrochen? Das ging ja gar nicht. Seltsame Idee. Dort musste extra eine Halterung angebracht werden. Ich fand und finde es hässlich.



      Zuglok an diesem Sommertag 1987 war die 99 561, einige Monate zuvor letzte Planlok der Preßnitztalbahn und nun zusätzliche Traditionslok in Radebeul Ost. Das stand ihr sehr gut, auch wenn der an diesem Tag gefahrene Zug etwas kürzer war. In Moritzburg wird wieder eine Kreuzung abgewartet, von der ich aber keine Fotos besitze.



      Nach der Ankunft in Radebeul Ost nimmt sich das Lokpersonal noch Zeit, die aussteigenden Fahrgäste in Augenschein zu nehmen. Die 99 561 sollte bis 1990 in diesem Dienst bleiben und gelangte dann nach Mügeln. In Radebeul Ost tauchte dann 99 574 als schwarze IV K auf, aber das liegt außerhalb unseres Betrachtungszeitraums.

      1989 feierte die angrenzende Leipzig - Dresdner Eisenbahn ihr 150. Jubiläum. Der Geburtstag der ersten Fernbahn Deutschlands wurde nicht nur mit der allseits bekannten Fahrzeugparade in Riesa, sondern auch mit je einer großen Fahrzeugschau in Leipzig und Radebeul Ost gewürdigt.
      Mit meinem Freund Uwe reiste ich nach Radebeul Ost, wo auch unsere 99 4633 und der Stralsunder VT 137 099 ausgestellt waren. Fotografisch interessierte mich die Schmalspur diesmal weniger. Es entstanden aber Fotos, von denen ich einige zeige.



      Hierhin kommt der normale Fahrgast natürlich nicht. Die ausgedehnten Gleisanlagen hinter dem Heizhaus sind vom Bahnsteig aus nicht einsehbar. Aber im Rahmen der Fahrzeugausstellung war man in Radebeul sehr kulant und ließ Eisenbahnfreunde auch abseits des Ausstellungsgeländes gewähren. 99 793 bekommt hier gerade frische Kohle. In Radebeul Ost dient dazu, genau wie vielerorts, ein Einheitskohlekran, der ebenso vereinheitlichte Kohlehunte anheben und in den Kohlekasten entleeren konnte. Die Hunte mussten entweder von Hand vollgeschaufelt, oder später über einen kleinen Hochbunker mit Schütte befüllt werden.



      Jetzt war natürlich auch 99 713 angeheizt und im Sonderdienst unterwegs. Ihr Personal unterhält sich gerade mit einem tschechischen Eisenbahner, der mit einer der Gastloks angereist war. Mit dem Kaffeebecher Hans Galistel, damals der "Mister 99 713". Kaum ein Fahrtag der Lok lief ohne ihn über die Bühne. Galistel war wohl der bekannteste Lokführer der Lößnitzgrundbahn, wie die Bahn schon damals im Volksmund genannt wurde.



      Neben 99 793 war 99 788 wieder zweite Planlok. An Stelle der merkwürdigen Lampe hatten die Eisenbahner jetzt ein hölzernes Flügelrad angebracht, deutlich ansprechender, wenn auch ungewöhnlich.



      Die 99 788 übernahm jetzt Rangieraufgaben, wobei ihr hinteres Lokschild auffiel. Sie hatte ein mit Schablone gemaltes Schild bekommen, wie es in der Endzeit auch viele Dampfloks der Regelspur besaßen. Auf Schmalspur habe ich das aber nur hier gesehen.



      Eine Zugfahrt nach Radeburg haben wir offensichtlich auch unternommen, an die ich mich aber nach fast 30 Jahren nicht näher erinnern kann. Auf jeden Fall war auch 99 561 wieder im Traditionszugdienst, wie diese Ansicht aus Radeburg beweist. Weitere Motive von diesem Ausflug nach Radeburg gibt es nicht. Ich vermute, wir wollten einfach nur eine Fahrt genießen.

      Alle Fotos: Achim Rickelt


      es geht gleich weiter...

    • Sehr schön! Vor allem die 99 1788 mit der tiefsitzenden oberen Lampe ist ja echt ein Hingucker. Nicht schön, aber selten! Die scheint irgendwie allgemein ein Händchen für kuriose Autritte zu haben. Jetzt fährt sie seit vielen Jahren "bundesbahnisiert" auf dem Öchsle. Dort durfte sie mich schon mehrmals transportieren. Und da ich das alles nicht so engstirnig sehe, gefällt sie mir im derzeitigem Outfit sehr gut. Ist einfach ne schöne Abwechslung!
    • Hallo liebe Schmalspurfreunde,

      die Wende in der DDR und die Wirtschafts-, Währungs- und Sozialunion per 1.Juli 1990 brachte natürlich auch für die Schmalspurbahn Radebeul Ost - Radeburg einschneidende Veränderungen. Die politischen Veränderungen stellten plötzlich alles in Frage und gerade der 1.7. stellte die Volkswirtschaft der DDR vor eine nie gekannte Probe. Mit der D-Mark in der Hand änderten sich die Kaufgewohnheiten der Bevölkerung schlagartig, kämpfte die DDR-Wirtschaft mit nie gekannten Absatzproblemen. Stark von der Sowjetunion abhängig, fehlte der DDR-Wirtschaft über Nacht der wichtigste Markt, denn die harte Währung konnte die kollabierende Sowjetunion nicht aufbringen.
      Auf der Schmalspur zeigte sich das im schnell zurückgehenden Güterverkehr. Aber noch rollte der tägliche Güterzug nach Radeburg. Noch wurde das Schamottewerk bedient.

      Die benachbarte Schmalspurbahn Freital-Hainsberg - Kurort Kipsdorf wurde im Sommer 1990 auf Druckluftbremse umgestellt. In Radebeul blieb es noch über Jahre bei der Saugluftbremse. Der bis dahin übliche häufige Loktausch zwischen den Einsatzstellen Radebeul Ost und Freital-Hainsberg war nun aber unmöglich.
      In Radebeul Ost bildete sich im Sommer 1990 eine Reihe abgestellter Lokomotiven. Schon länger abgestellt waren 99 778 und 99 779. Im Sommer 1990 gesellte sich 99 786 hinzu, deren Fristen abgelaufen waren. Die Loks standen im hinteren Teil des Bahnhofs und waren von der Fernbahn gut sichtbar.
      Ich konnte im Sommer 1990 einen Teil meines Urlaubs bei einem befreundeten Lokführer aus Freital verleben und bereiste mit ihm die meisten Schmalspurbahnen der Rbd Dresden. Er kannte sich aus, war in Radebeul auch schon als Urlaubsvertreter gefahren und arbeitet heute für die SDG in Radebeul Ost.

      Im Plandienst waren bei meinem Besuch 99 790, 99 791 und 99 793 eingesetzt, wobei 99 791 zu dieser Zeit Plantag hatte.
      Der Traditionsbetrieb lief wie gewohnt mit 99 539 und 99 713 ab. 99 561 hatte man zur Lokhilfe nach Mügeln abgegeben.

      Schauen wir uns also die Lößnitzgrundbahn im letzten Sommer der DDR an.



      Beginnen wir unseren Ausflug am Stadtrand von Radeburg, wo der alltägliche Güterzug mit 99 793 eintrifft. Nur noch zwei Rollwagen hat sie an der Kupplung.
      99 793 kann man praktisch Stammlok in Radebeul Ost nennen. Sie war sehr lange und langanhaltend dort im Einsatz und wurde vom Personal auch mit einigen Verzierungen versehen.



      Der Nachschuss offenbart, was es hier eigentlich gar nicht gab. 99 793 schleppt einen Gmp, der allerdings in keinem öffentlichen Fahrplan stand. In der DDR war zum letzten Mal Studentensommer. Studenten aus den Universitäten und Hochschulen der Republik halfen in den Semesterferien in der DDR-Wirtschaft. 1990 war eine Studentenbrigade im Gleisbau auf der Lößnitzgrundbahn eingesetzt. Da der öffentliche Fahrplan zum Feierabend keine passende Fahrgelegenheit in Richtung Dresden anbot, wurde dem Güterzug ein Reisezugwagen beigestellt. Ein Motiv, das es so oft nicht gab.



      Nach dem Rangieren hat 99 793 den Güterzug für die Rückfahrt nach Radebeul zusammengestellt, wieder mit dem Personenwagen. Diese Lok wird ihn allerdings nicht ziehen. Der benachbarte Kohlehandel, auch von der Schmalspurbahn bedient, nutzte einen Raupenkran RK 3 in einer späten Ausführung mit großer Kabine. Diesen Kran hat es vor einigen Jahren nach Putbus verschlagen.



      Für 99 793 geht es erst einmal zum Heizhaus. Dort wartet sie nach dem Wasserfassen die Ankunft der zweiten Planlok ab, bevor sie einen Personenzug nach Radebeul Ost übernimmt.



      Zwischen Moritzburg und Friedewald Bad überquert die Lößnitzgrundbahn die Dippelsdorfer Teiche. Hier erwarten wir den Güterzug mit Studentenbeförderung. Als Zuglok war 99 790 eingeteilt, die zu dieser Zeit als Reservelok die Planlok 99 791 vertrat.



      In Friedewald Bad erlebten wir die Ausfahrt eines Personenzuges nach Radeburg mit 99 793. Weil kein Traditionszug auf der Strecke war, gab es hier natürlich nun keine Kreuzung.




      99 790 begegnete uns in Radebeul Ost ein letztes Mal. Sie diente einem Eisenbahner mit der typischen Tasche als Mitfahrgelegenheit. Für diesen Tag hatten wir genug erlebt. Mit der S-Bahn ging es zurück nach Freital.



      In Moritzburg enden heute die meisten Züge. 1990 verkehrten sie bis Radeburg, aber doch stiegen in Moritzburg die meisten Fahrgäste aus, um die Moritzburger Teiche, das Jagdschloss, das Fasanenschloss, den Leuchtturm oder das Gestüt zu besichtigen. Dieses Foto ist an einem anderen Tag entstanden. Leider kann ich die Fahrtroute dieses zusätzlichen Tages nicht mehr nachvollziehen. Lange waren wir wohl nicht dort. Aber es entstanden dann noch einige Bilder in Radebeul, seht selbst.



      Dort trafen wir wiederum die 99 793 an der Bekohlung an. Verglichen mit der Aufnahme im Eröffnungsbeitrag ist eine wichtige Neuerung zu erkennen, die den Eisenbahnern die Arbeit an der Bekohlung wesentlich erleichtern sollte. Man hatte einen kleinen Hochbunker zum Befüllen der Kohlehunte errichtet. Die leeren Hunte konnten unter eine Schütte geschoben und mit einem Zug an einem Griff befüllt werden. Der Bunker wurde von einen Bagger bestückt.



      Beenden wir unseren Besuch mit einem Lokportrait der 99 793 neben dem Heizhaus Radebeul Ost.
      An der Vorderfront hat sich auf den ersten Blick gegenüber den Fotos dieser Loks im Eröffnungsbeitrag nichts verändert. Wer genauer hinschaut, entdeckt aber schon den neuen UIC-Heizhahn auf der Heizerseite. Noch wird die Dampfheizung aber mit der alten Pintsch-Kupplung verbunden, die nach oben gebogen eine charakteristische Ansicht der Lokomotiven in Radebeul Ost, Oberwiesenthal und Zittau bot. In Freital-Hainsberg wurde die vordere Heizkupplung nicht an der Lok belassen, sondern vom Wagen zur Lok gekuppelt.
      Noch lange danach hatte 99 793 die Schläuche der Saugluftbremse. Heute ist sie vor allem auf der Weißeritztalbahn unterwegs und mit Druckluftbremse ausgerüstet.

      Alle Fotos: Achim Rickelt

      Soweit mein Bericht aus Radebeul Ost. Zwar habe ich 1992 und 1995 noch einmal dort vorbei geschaut, aber nur kurz und ohne viele Fotos.

      Viele Grüße

      Euer Dampf - Achim Rickelt
    • Hallo Achim ,
      ein großes Dankeschön für diesen ausführlichen (Bild)Bericht , hochinteressant und qualitativ absolut in Ordnung !!
      Muß auch noch einmal auf die Lampen an der 1788 zurückkommen , habe diese wirklich abartig häßliche Ausführung noch nie gesehen , da sieht die Maschine mit den DB Lampen ja noch besser aus , und selbst diese sind äußerst eigenwillig ! Ist Geschmackssache , aber meine ehrliche Meinung : Geht absolut nicht , dennoch eben ein Stück Geschichte zur Lok und ihren Einsatz auf der Lößnitzgrundbahn .
      Dein Beitrag animiert mich mal wieder , endlich auch mal ältere Bilder ( S/W Fotos ) aufzuarbeiten , nehme ich mir mal ganz fest vor , damit ich hier im Forum auch mal etwas einstellen kann . Also Danke nochmals und Grüße aus Thüringen an die Ostsee ! :wink:
    • Hallo,

      die Lampen der 99 788 regten - wie erwartet - zu Diskussionen an. Offenbar ist es das Schicksal der 99 788, innerhalb ihrer Baureihe aus dem Rahmen zu fallen. 1990 trug sie in Oberwiesenthal merkwürdige gemalte Lokschilder, die von der Norm abwichen. Immer wieder 99 788. Da ist es wohl fast schon zwangsläufig, dass genau diese Lok von der Öchsle-Museumsbahn umgebaut wurde. Die heutigen Lampen sind da ja nur das kleinste "Übel". Sie hat auch Laufbleche unter dem Führerhaus und einen großen Luftbehälter unter der Rauchkammertür bekommen.

      Warum man 1987 diese seltsame Variante des Spitzenlichts wählte, hat sich mir nie erschlossen. Diese Lampen tauchten in den 80ern bekanntlich überall auf. Sie wurden als Ersatz für die verschlissenen und auch abhanden gekommenen Einheitslaternen beschafft, waren von Hause aus nicht besonders hübsch und sind bis heute auf vielen Loks im Einsatz. Sie hatten durchaus eine bessere Lichtausbeute als die Einheitslampen. Oft wurden diese Anbaulaternen auf einfache Weise mit einem Flachstahl zum Aufstecken umgestaltet und in die vorhandenen Lampenhalter gesteckt. Das wäre hier auch möglich gewesen, denn der obere Halter war ja vorhanden. Warum nun jemand eine solche Lampe auf die Rauchkammertür geschraubt hat, wissen wohl nur noch die damals beteiligten Eisenbahner. Nur gut, dass es offenbar eine temporäre Erscheinung blieb.

      Ich habe durchaus noch Bilder von anderen Bahnen, die ich Euch bei Bedarf auch gern in geeigneter Form zusammenstellen kann.

      Zunächst würde ich mich freuen, wenn Ihr meinen Beitrag mit einer lebhaften Diskussion und gern auch weiteren Fotos zum Thema ergänzen könntet.


      Viele Grüße

      Dampfachim
    • Danke an Dampfachim für die kleine Zeitreise in eine längst vergangene Epoche. Zur allgemeinen Lampendiskussionen noch mein Senf in Form eines Bildes. Wir sehen 099 742 aka 99 1778 dazumals in Diensten der DBAG bei Cunnertswalde am 23. April 2000. Zwar ist die obere Lampe deutlich höher angeordnet als auf den gezeigten Bildern der 99 1788, aber immernoch an der Rauchkammertür befestigt und damit ein ganzes Stück tiefer als sonst üblich auf dem Kesselscheitel.



      Gruß in die Runde
      Michael
    • Hallo Michael,

      Fotos dieser Lok in dieser Ausführung hatte ich auch schon gesehen. Auch wenn es nicht die gewohnte Ausführung ist, gefällt sie mir besser als die Lampe an 99 788. Es gibt übrigens an 99 6001 auch eine abweichende Lampenhalterung an der Rauchkammertür, die aber nicht ständig genutzt wird.

      Interessant und kurios ist auch das halbe Fässchen an der Rückseite der Dampfpfeife. Hatte diese Pfeife einen so grässlichen Klang? :frech:

      Die Dampfpfeife der Neubaulok war ursprünglich am Untersatz der Sicherheitsventile dicht vor dem Lokführerfenster angebracht, was im Führerstand für starken Lärm sorgte. Ich bin über Jahre so gefahren.
      Ungefähr 1992 kam man in Görlitz auf die Idee, vom Absperrventil der Pfeife eine Rohrleitung bis zur Rauchkammer zu verlegen, wo die Pfeife zwischen Luftpumpe und Schornstein an einer Konsole montiert war. Das brachte natürlich eine deutliche Beruhigung im Führerstand, aber für die Reisenden im 1. Wagen dürfte es unerträglich geworden sein.
      Wiederum einige Jahre danach baute man einen zusätzlichen Flansch in den Reglerdom ein, wo die Pfeife seitdem bei fast allen Loks angebracht ist. Der alte Anschluss ist seitdem blind geflanscht. 99 772 besitzt wohl noch immer die Anordnung an der Rauchkammer.
      Die mittige Anordnung, von den Einheitsloks ganz ähnlich schon bekannt, stellt einen gelungenen Kompromiss in beide Richtungen dar. Den Radebeuler Kollegen war es aber wohl noch immer zu laut.

      Viele Grüße

      Dampfachim