Freital-Hainsberg - Kurort Kipsdorf 1985 - 1990

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    • Freital-Hainsberg - Kurort Kipsdorf 1985 - 1990

      Hallo liebe Freunde der schmalen Spur,

      nach unseren Ausflügen ins Preßnitztal, nach Mügeln und zur Traditionsbahn Radebeul möchte ich Euch heute die Weißeritztalbahn in den letzten Jahren der DDR vorstellen.
      Auch hier dürft Ihr keine fotografischen Meisterleistungen erwarten. Es waren zunächst Ausflüge eines 15 bzw. 16jährigen Schülers. Es ist vor allem für die letzten beiden Kapitel meines Exkurses in die Vergangenheit einiges Material vorhanden, so dass ich das Thema teilen möchte.

      Von der Weißeritztalbahn sprach man damals eigentlich noch nicht. Jedenfalls ist mir dieser Begriff nicht bewusst begegnet. Die Strecke Freital-Hainsberg - Kurort Kipsdorf war in der Berichterstattung des Modelleisenbahner und in diversen Büchern damals aber doch allgegenwärtig. Ende der 80er sollten hier die ersten Streckendieselloks Einzug halten, ein Termin, der letztlich in der Form nie realisiert werden konnte.
      Für mich waren Verwandtenbesuche in Dresden natürlich die perfekte Ausgangslage, auch dieser Schmalspurbahn einen Besuch abzustatten. Im Oktober 1985 nutzte ich die Gelegenheit zum ersten Mal. Mit der S-Bahn war Hainsberg einfach erreichbar und so konnte ich mich hierhin auch allein auf den Weg machen. Das Kursbuch versprach eine günstige Vormittagsverbindung in die Berge, mit der ich am Abend rechtzeitig zurück sein sollte. Also auf nach Hainsberg. Ich lade Euch ein.



      Neu in Freital-Hainsberg, sah ich mich erst einmal auf dem Bahnsteig um. In den Güterverkehrsanlagen konnte ich 99 746 beim Rangieren erblicken, nicht aber vernünftig fotografieren. Im Bereich des Heizhauses waren zwei Neubauloks erkennbar. Welche sollte nun meinen Zug - der schon am Bahnsteig bereitstand - ins Gebirge ziehen? Nach einiger Zeit rollte 99 786 auf mich zu. Diese Neubaulok besaß damals als letzte ihrer Baureihe noch Tritteinpolterungen seitlich im Kohlenkasten. Diese werksseitig eingebauten Aufstiege waren bei allen anderen Schwesterloks längst entfallen. Man konnte über die rückseitigen Leitern viel bequemer aufsteigen. 99 786 rollte aber wieder zum Heizhaus zurück, setzte also nur von einem zum anderen Gleis um. Für mich war also die im Hintergrund sichtbare Lok reserviert.





      Diese Leistung sollte also 99 791 übernehmen, die an den Zug rangierte. Viel später konnte ich erfahren, dass dieser Vormittagszug die traditionelle Leistung des Lokbahnhof Kipsdorf war. 99 791 wurde hier also hauptsächlich von Personalen aus Kipsdorf besetzt und übernachtete dort. Anders als in Radebeul Ost, hatte man auf dieser Strecke damals keinen Heizschlauch vor der Rauchkammertür montiert. Mir gefiel das wuchtige Aussehen des dicken Schlauches an der Lokfront damals eigentlich recht gut.
      Kurz vor der Abfahrt erreichte noch ein Zug den Bahnhof. Meine sehr schlechten Fotos dieser Einfahrt zeige ich Euch aber nicht. Es zog diesen Zug die 99 776.

      Mit 99 791 sollte ich im Sommer 1991 ausgiebig Bekanntschaft schließen. Bei uns auf Rügen sah sie aber bei weitem nicht so schön aus, wie hier 6 Jahre zuvor. Ohne Schilder, mit ausgeblichenem oder verschmutztem Anstrich, half sie auf Rügen einen akuten Lokomotivmangel zu beheben. Immerhin - Kessel und Dampfmaschine waren sehr willig und die Lok wurde von den Personalen des Lbf. Göhren gern gefahren. Aber zurück zur HK-Linie (sächsische Bezeichnung) und zurück in den Oktober 1985.



      Unterwegs fotografierte ich nicht weiter, machte aber im Fahrplan einen Kreuzungsaufenthalt in Seifersdorf aus, wo ich mich auch traute, aus dem Zug zu steigen. Der Zugführer hat die Einfahrweiche aus der Gegenrichtung schon umgestellt. Der Lokführer lässt es sich noch schmecken.



      Die Strecke wurde im vereinfachten Nebenbahndienst betrieben. Das bedeutet, dass im Buchfahrplan (bei Abweichungen in schriftlichen Befehlen) die Durchführung der Zugkreuzungen geregelt war. Heute heißt dieses Betriebsverfahren Zugleitbetrieb und funktioniert sinngemäß. Ein Zug fährt also in den Bahnhof ein. Dessen Zugpersonal sorgt für die richtige Weichenstellung. Der zweite Zug muss derweil vor der Trapeztafel warten und wird nach Zustimmung des Zugführers von der im Bahnhof wartenden Lok hineingepfiffen. Mit dem Pfeifsignal "Kommen" - Lang - Kurz - Lang - wird dem wartenden Lokführer der Auftrag zur Einfahrt übermittelt. Ist auch der zweite Zug im Bahnhof, setzt der Zugführer die Zuglaufmeldung an den Zugleiter ab und holt sich die Fahrerlaubnis für beide Züge zur Weiterfahrt bis zur nächsten im Fahrplan festgelegten Zuglaufmeldestelle. Nach Ausfahrt des kreuzenden Zuges müssen die Weichen in Grundstellung gebracht werden und der Zug kann seine Fahrt fortsetzen. Wir sehen auf diesem Bild das Hereinpfeifen des zweiten Zuges mit der Lokpfeife. Aus Kipsdorf fuhr dann 99 773 ein. Das Foto ist nicht zumutbar und auch nicht aussagekräftig.



      Ankunft in Kipsdorf. Hierzu gibt es nicht viel zu schreiben. Nur dass die Lok wohl bald in Richtung Heizhaus verschwunden war, denn es gibt keinerlei Fotos von ihr am Wasserkran. Die Kipsdorfer Planlok fuhr üblicherweise zum Heizhaus oder zumindest bis zum Bü mit der F 170 hinab. Dort wechselte das Personal.



      Gestärkt kehrte sie später zurück zum Bahnhof. Der Eisenbahner war der Fahrdienstleiter des Bf. Kipsdorf. Er war in Personalunion gleichzeitig auch Aufsicht, verkaufte nach meiner Erinnerung auch Fahrkarten und trug die rote Mütze. Der Bahnhof Kipsdorf besitzt ein Stellwerksgebäude an der Einfahrt, von dem aus zumindest damals die Weichenstraßen an der Einfahrt bedient wurden. Ich erinnere mich nicht, ob Kipsdorf zu dieser Zeit noch ein Einfahrsignal besaß. Jedenfalls nutzte der Fahrdienstleiter die Mitfahrgelegenheit auf der Lokomotive gern, um sich die weiten Wege zwischen EG und Stellwerk etwas zu erleichtern.
      Irgendwann vor 16:00 Uhr verließ der Personenzug den Bahnhof Kipsdorf wieder in Richtung Freital-Hainsberg.



      In Obercarsdorf wartete 99 746 mit einem Güterzug (oder Gmp, wer hat den Winterfahrplan 85/86 noch?) auf uns. Sie war noch nicht sehr lange in Freital-Hainsberg stationiert und aus Zittau hierher gekommen.

      In den Sommerferien 1986, den letzten vor der Berufsausbildung, besuchte ich wiederum meine Verwandtschaft und einige Schmalspurbahnen in Sachsen. Das Kursbuch kündigte damals schon die stundenweise Sperrung des Abschnittes Freital-Hainsberg - Seifersdorf und dessen Bedienung durch den Kraftverkehr im Schienenersatzverkehr an. Das war eine jährlich wiederkehrende Maßnahme. Grund waren Gleisbauarbeiten, auch mit Hilfe von Studenten im Studentensommer. So war ich darauf vorbereitet, die erste Etappe mit dem Bus zurückzulegen.



      Der Bus war rechtzeitig am Bahnhof Seifersdorf, so dass ich die Ankunft des Zuges aus Kipsdorf verfolgen konnte, der sogleich wieder zurück ins Gebirge fahren sollte. Diesmal war eine Einheitslok am Zug, die 99 734.



      Die Zeit, sonst für die Abwicklung einer Zugkreuzung vorgesehen, reichte für das Umsetzen der Lokomotive aus, so dass wir Seifersdorf pünktlich verließen. Unterdessen hatte sich der Schienenersatzverkehr wieder auf den Weg nach Hainsberg gemacht. Die drei über Jahre hier stationierten Einheitsloks 99 734, 99 747 und 99 761 besaßen diese eigenartig hochgesetzten Laternen, deren Bedeutung ich nie so richtig verstand. Später umgesetzte Loks, etwa 99 746 oder später 99 741 oder 762 hatten die übliche tiefe Anordnung.



      In Dippoldiswalde hatte uns ein Güterzug ins Tal erwartet, der jetzt dampfend und qualmend den Bahnhof verließ, fotografiert von der letzten Plattform des Personenzuges.
      Seine Zuglok war 99 761 und ich habe keine andere Aufnahme dieser Situation.



      Diesmal wurde am Bahnsteig in Kipsdorf Wasser genommen. Der Lokführer machte es sich auf dem Trittbrett des Gepäckwagens gemütlich, während der Heizer von seinem Arbeitsplatz den Fortschritt des Vorgangs beobachtete.



      Auch hier hatte ich wohl wieder den zweiten Fotoapparat dabei. Ich vermute, dass ich mit der alten Werra dieses Schwarzweißfoto angefertigt habe. Die Vilia erzeugte deutliche Randunschärfen, die Werra nicht so.
      99 734 hatte den Zug talwärts schon wieder bespannt und wartete auf die Abfahrt. Ich erinnere mich, dass der Fahrplan hier einen sehr großen Aufenthalt bis gegen 15:45 Uhr vorsah. Gleichwohl, es ging auch zur fahrplanmäßigen Abfahrtzeit nicht los. Ich überblickte noch nicht, warum.



      Die im Kursbuch vermerkte Abfahrtszeit war längst verstrichen und ich bemerkte außer dem Gespräch des Lokpersonals mit der Zugführerin nicht, was diese Verzögerung auslöste. Als dann gegen 16:00 Uhr ein zweiter Personenzug den Bahnhof erreichte, war ich ziemlich überrascht und stand ziemlich ungünstig. Hätte ich es gewusst, wäre eine Position auf dem Bahnsteig seitlich des Lampenmastes vorteilhafter gewesen. Woher kam nun dieser Zug? Aus dem Fahrplan konnte man einen Gegenzug und Zugkreuzung in Schmiedeberg ableiten. Das war dieser Zug. Lok 99 776 beeilte sich nun mächtig und ging als Schlusslok an unseren Zugpark. Ihr Wagenpark blieb in Kipsdorf zurück. Hätte ich das gewusst...
      Noch 1990 gab es diese Leistung mit der Schlusslok. An den Grund für die Abweichung im offiziellen Fahrplan erinnere ich mich nicht mehr. Wer kann dazu etwas sagen?



      Die Sperrung des unteren Abschnitts war am späten Nachmittag natürlich längst aufgehoben, die Gleisbauer hatten Feierabend und so erwartete uns 99 761 in Seifersdorf zur Kreuzung.




      An einem anderen Tag im Sommer 1986, als ich in Richtung Tharandt oder sonstwohin (ich weiß es nicht mehr) den Bahnhof Freital-Hainsberg mit einem Personenzug (oder der S-Bahn) passierte, kamen wir genau oberhalb der 99 780 zum Halt, die gerade eine Rangierpause einlegte. Während der Heizer wartete, hatte der Lokführer irgend etwas auf dem Kessel zu erledigen. Es ist nicht genau zu erkennen.
      Zu dieser Zeit gab es auf der Strecke Freital-Hainsberg - Kurort Kipsdorf täglich mindestens 5 Planloks. Eine wurde von Kipsdorf eingesetzt, Vier von Hainsberg aus besetzt. In den Dienstplänen war täglich auch ein Rangierdienst in Hainsberg vorgesehen. Die als Rangierlok tätige Maschine besorgte das Auf- und Abbocken der Regelspurwagen, das Zusammenstellen der Güterzüge, das Bereitstellen der Personenzüge und auch die Bedienung der Wagenausbesserungsstelle in Freital-Potschappel über das Verbindungsgleis zwischen den Bahnhöfen Freital-Hainsberg und Freital-Potschappel, einst Ausgangspunkt der Strecke nach Wilsdruff und weiter ins Netz.
      Heute pendelt nur noch eine Maschine auf der Weißeritztalbahn.


      Alle Fotos: Achim Rickelt


      Soviel zu meinen ersten beiden Ausflügen zur Weißeritztalbahn.

      Fortsetzung folgt...


      Euer Dampf - Achim Rickelt
    • Dampfachim schrieb:

      Hallo liebe Freunde der schmalen Spur,




      In Obercarsdorf wartete 99 746 mit einem Güterzug (oder Gmp, wer hat den Winterfahrplan 85/86 noch?) auf uns. Sie war noch nicht sehr lange in Freital-Hainsberg stationiert und aus Zittau hierher gekommen.

      Hallo allerseits,

      zwar fehlt in meinen vielen alten Kursbüchern gerade das angefragte Jahr (damals gab es schon ganzjährige Kursbuchausgaben), aber die Kursbücher der Jahre 1984/85 und 1986/87 liegen gerade vor mir.

      Danach sollte die bei einer Kreuzung in Obercarsdorf gezeigte Lok 99 1746-9 mit dem GmP 69915 von Dippoldiswalde nach Schmiedeberg unterwegs sein - eine Fahrt, die das Kursbuch 1986/87 nicht mehr enthält. (Ich hoffe, daß man diese Angabe aus dem Kursbuch 1984/85 auch für das gezeigte Bild als zutreffend ansehen kann.)

      Dampfachim schrieb:

      Die im Kursbuch vermerkte Abfahrtszeit war längst verstrichen und ich bemerkte außer dem Gespräch des Lokpersonals mit der Zugführerin nicht, was diese Verzögerung auslöste. Als dann gegen 16:00 Uhr ein zweiter Personenzug den Bahnhof erreichte, war ich ziemlich überrascht und stand ziemlich ungünstig. Hätte ich es gewusst, wäre eine Position auf dem Bahnsteig seitlich des Lampenmastes vorteilhafter gewesen. Woher kam nun dieser Zug? Aus dem Fahrplan konnte man einen Gegenzug und Zugkreuzung in Schmiedeberg ableiten. Das war dieser Zug. Lok 99 776 beeilte sich nun mächtig und ging als Schlusslok an unseren Zugpark. Ihr Wagenpark blieb in Kipsdorf zurück. Hätte ich das gewusst...
      Noch 1990 gab es diese Leistung mit der Schlusslok. An den Grund für die Abweichung im offiziellen Fahrplan erinnere ich mich nicht mehr. Wer kann dazu etwas sagen?
      Den Grund für diese zeitliche Fahrplanabweichung kenne ich auch nicht, ich nehme aber eine Umlaufabweichung in Zusammenhang mit der stundenweisen Streckensperrung an.
      Ich stelle zusätzlich fest, daß ich zur gleichen Zeit in sehr vergleichbarem Alter ebenfalls die Welt der Schmalspurbahnen in Verbindung mit ersten Fotos zu erkunden begann und besonders von der HK-Linie damals restlos begeistert war. Nirgends sonst in der DDR gab es auf einer schmalspurigen Stichstrecke einen für Nicht-Insider unübersichtlicheren Verkehr mit mehr Loks und mehr Güterzügen, inklusive gemischten Zügen und einem Fahrplan, der sich zwischen Mo-Fr, Sa und S so deutlich unterschied.
      Ein weiteres Merkmal waren die unpaarig fahrenden Personenzüge, wodurch es ergänzte (und verkürzte) Wagenparks gab und eben auch zwei Loks vor einem Zug. Nur, für einen klassischen Ausflugsverkehr waren die Lücken im Reisezugverkehr eher unpassend.
      Für Kurort Kipsdorf galt im Fahrplan 1986/87 das Verhältnis zwischen der Zahl der ankommenden/abfahrenden Züge mit Personenbeförderung folgendes:
      Mo-Fr: 6/5, Sa: 4/4 und S: 5/4.

      Um so trauriger finde ich nach wie vor, daß diese Strecke von allen noch betriebenen Bahnen heute den armseligsten Fahrplan hat - dadurch fehlt nun auch jeglicher betrieblicher Reiz. Natürlich sehe ich auch einige Gründe dafür, warum das jetzt so ist - äußerst bedauerlich finde ich das trotzdem.

      Achim: vielen Dank für die durchaus interessante Serie auch noch von mir. Ich hatte mich bisher dazu nicht geäußert und möchte das nun nachholen.


      Freundliche Grüße
      217 055

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von 217 055 ()

    • Hallo,

      das kann durchaus ein Gmp gewesen sein. Irgendwie hatte ich das auch so in Erinnerung. Für mich war der Fahrplan dort auch ziemlich unübersichtlich. Aber immerhin gab es für mich viele Loks zu entdecken. Ich habe damals aber nur recht wenig Zeit in diese Bahn investiert. Damals war ich auch noch nicht so firm und habe mich auch teilweise nicht getraut. Die Aufnahme mit der 99 776 ist das beste Beispiel. Ein paar Schritte auf den Bahnsteig und das Foto wäre deutlich besser geworden.

      Durch die Sperrung im unteren Bereich ist ganz bestimmt der Umlauf durcheinander gekommen. Kann schon sein, dass 99 776 deshalb nach Hainsberg mitgenommen werden musste. Im Sommer 1990 habe ich das aber ganz genauso erlebt. Auch da wurde mit diesem Zug eine Schlusslok mitgeführt. Das habe ich aber nicht gut fotografiert, so dass ich es hier nicht zeigen möchte. Da gibt es interessantere Fotos zu sehen.

      Viele Grüße

      Dampfachim
    • Halloo zusammen,

      in meiner Erinnerung an diese Zeit gab es damals immer wieder GmP, die nicht im (öffentlichen) Fahrplan standen. Achim, dir herzlichen Dank für die Fotos meiner Heimatstrecke! Wie ich an anderer Stelle schon schrieb, war die Bahn für mich so normal, dass ich damals nie auf die Idee gekommen wäre, sie zu fotografieren. Gelegenheit hätte ich fast täglich gehabt.
      Viele Grüße,
      Eckhard
    • Hallo Eckhard,

      das ist für mich ein total bekanntes Gefühl. Täglich auf der Dampflok, täglich auf dem Rasenden Roland, habe ich von vielen Situationen bei uns überhaupt keine Fotos. Natürlich habe ich alles mögliche hier schon fotografiert, aber wenn es um manche Dinge geht, muss ich passen. Manchmal hatte ich sogar einen Fotoapparat dabei, habe aber nicht abgedrückt und mich hinterher geärgert. Dann war es oft zu spät.
      Das Alltägliche schiebt man zu gern auf, oder man nimmt es nicht wahr.

      Mein UrUrgroßvater Fritz Worm war Lehrer, Heimatforscher und Heimatdichter in Alt Reddevitz. Von ihm ist eine Geschichte über einen alten Bauern auf dem Mönchgut überliefert, der um 1900 auf einen damaligen Badegast traf, der ihm von der Schönheit des Mönchguter Landes vorschwärmte. Der Bauer erwiderte in trockenen Platt folgenden Satz: "Dat sall schön sinn? Dat wier doch all immer so..."
      Übersetzt: "Das soll schön sein? Das war doch schon immer so..."

      An diesen Satz muss ich unwillkürlich denken, wenn es um schöne Dinge geht, die man in der täglichen Routine gar nicht mehr wahrnimmt, an denen man achtlos vorbeigeht und sie nicht eines Blickes würdigt.

      Mehr Güterverkehr auf der HK konnte ich dann 1990 erleben. Davon möchte ich unter anderem im zweiten Teil berichten, auf den ich hiermit schon etwas neugierig machen möchte. Ihr müsst Euch aber noch etwas gedulden. Erstmal heißt es wieder Dampflok fahren, bevor ich wieder ausführlicher schreiben kann.

      Viele Grüße

      Dampfachim
    • Neu

      Hallo liebe Schmalspurfreunde,

      die Pause ist vorüber, jetzt geht es weiter.

      In den 80ern machte sich auf allen DR-Schmalspurbahnen mit Saugluftbremsen der zunehmende Verschleiß der Bremsarmaturen negativ bemerkbar. Ersatzteile waren aufgebraucht, Ersatzbeschaffungen nicht möglich, bzw. nicht bezahlbar. So hatte sich die Reichsbahn schon Anfang der 80er entschieden, die Saugluftbremse auf dem Harzer Netz durch zeitgemäße Druckluftbremsen zu ersetzen. Dafür waren Ersatzteile völlig problemlos beschaffbar, denn diese Bremsbauarten kamen überall zum Einsatz.

      In Sachsen waren die Probleme identisch. Viele Luftsauger der Bauarten Körting (IV K) und Hardy (Einheits- und Neubauloks) waren ebenso am Ende ihrer Nutzungsdauer angelangt, so dass jetzt auch die Umrüstung der Bremssysteme sächsischer Schmalspurbahnen begann.
      Den Anfang machte hier die Schmalspurbahn Freital-Hainsberg - Kurort Kipsdorf. Erste umgerüstete Lok war 1990 die Einheitslok 99 761.

      Ich war im Sommer 1990 nach mehreren Jahren wieder in Hainsberg. Mit Volker, einem Freitaler Lokomotivführer, konnte ich etliche Tage Schmalspurdampf auf verschiedenen Strecken genießen, natürlich auch auf seiner "Hausbahn". Das ermöglichte mir nun auch erstmals einen Blick hinter die Kulissen. Für mich waren natürlich zuallererst die Dampflokomotiven interessant. An mehreren Tagen wurde mehr oder weniger viel Zeit für die Strecke Freital-Hainsberg - Kurort Kipsdorf genutzt.

      Die Umstellung auf Druckluftbremse war im Sommer 1990 fast abgeschlossen. Alle planmäßigen Reisezüge verkehrten nahezu ausschließlich mit dieser Bremsbauart. Für die Eisenbahner - man hatte alle Wagen mit der mehrlösigen Druckluftbremse KE ausgerüstet, die Lokomotiven erhielten eine K-Bremse, waren also klassisch und wie üblich einlösig.
      Nur noch wenige Reisezugwagen älterer Bauart und Güterwagen waren mit Saugluftbremsen ausgerüstet.
      Zu meinem Besuch standen der Einsatzstelle Freital-Hainsberg folgende Lokomotiven zur Verfügung (S) steht für Saugluft- (D) für Druckluftbremse.

      99 606 (S), 99 747 (S), 99 761 (D), 99 777 (D), 99 780 (D), 99 783 (D), 99 787 (D) und 99 789 (D)

      Alle aufgeführten Neubauloks waren während dieser Zeit im Einsatz, für diese Strecke sicher eine Besonderheit, fuhr und fährt man doch lieber Einheitslok. 99 761 war nun Reservelok. 99 606 war offiziell Heiz- und Arbeitszuglok, 99 747 Reservelok, aber aufgrund ihrer Saugluftbremse kaum noch verwendbar.
      99 780 hatte nun den Status einer "Jugendlok" von der 99 747 "Tamara" übernommen, wurde also planmäßig vor allem von jungen Lokpersonalen gefahren und betreut.
      Mit dem Umbau auf Druckluftbremse war die freizügige Tauschbarkeit der Lokomotiven zwischen Hainsberg und Radebeul unmöglich geworden.

      Neben dem Heizhaus stand 99 775 schon seit längerem abgestellt und war schon ordentlich gerupft. Erst das 1991 anlaufende Programm der Großteilerneuerungen sollte sie wieder in Fahrt bringen.

      Schauen wir uns etwas um:





      Vor dem Hainsberger Heizhaus hatte ich mich zuvor noch nie aufgehalten. Inzwischen war ich selbst Dampflokheizer und mit Volkers Begleitung konnte ich nun diesen betrieblichen Bereich erstmals besichtigen. 99 777 war damals Planlok des Lokbahnhof Kipsdorf und wendete hier sozusagen nur. Die Bekohlungsanlage entsprach der Einheitsbauart und war mir in ganz ähnlicher Form schon aus Radebeul Ost bekannt. Ein elektrischer Kran hob die Einheitskohlehunte über den Kohlenkasten. Hier hatte man eine klappbare Brücke ergänzt (gab es in Radebeul nicht), über die der Heizer zum Kohlenkasten der Lok gelangte, wo er das Abkippen des Hunts besser steuern konnte. In Hainsberg bestand darum wohl keine Gefahr für das hintere Spitzenlicht, weshalb ich hier keine tief angebrachten Loklaternen beobachten konnte, wie sie wenige Kilometer entfernt in Radebeul üblich waren.



      Neben dem Heizhaus - heute Baustelle für die neue Werkstatt - träumte 99 775 von besseren Tagen, die nach der Großteilerneuerung dann auch wieder kommen sollten.



      99 780 erreichte mit einem Güterzug aus Schmiedeberg den Bahnhof Freital-Hainsberg. Rechts erblicken wir die 99 775, hinten die Hauptstrecke Dresden - Chemnitz auf einer Brücke, die der Schmalspurzug gerade unterquert hatte.



      Die Dämmerung bricht über Freital herein, als 99 780 an den Behandlungsanlagen für die Nachtruhe vorbereitet wird. Im Vergleich zur Aufnahme von 1986 fällt auf, wie aufgeräumt die Vorderfront der Lok nach dem Bremsumbau jetzt wirkt. Gleichzeitig wurde ja auch die Dampfheizung angepasst. Ein Druckluftschlauch auf der Lokführerseite und der dicke Schlauch der Dampfheizung auf der Heizerseite müssen seitdem genügen. Mittig ist natürlich noch Steckdose und Blinddose für die Zugbeleuchtung geblieben.



      Wer hat einen Dampflokschuppen schon einmal während der Nachtruhe der Lokomotiven erlebt? Von überall her zischt und blubbert es, als wollten sich die Maschinen ihre Erlebnisse des Tages erzählen. 99 780 war mit den frischesten Eindrücken hereingekommen und prustet der schon schläfrigen 99 787 (rechts angeschnitten) noch ein letztes Gute Nacht zu.
      In den Hinterzimmern beginnen nun die Lokpersonale von ihren Abenteuern zu berichten. Die Hainsberger "Führerstube" war an diesem Abend noch lange bevölkert, erzählten doch der "Großvater" (noch gar nicht alt und auch nicht Opa), "Marlene" (natürlich männlich und einst gestandener Schnellzugheizer vom Bw Dresden Alt) und einige andere Schwarze aus ihrem reichen Fundus an Erfahrungen. Ob nicht manchmal auch etwas geflunkert wurde? :nixw:

      Ich gehe lieber noch etwas durch die Reihen der Lokomotiven.



      Da war 99 761, kalt und in Reserve abgestellt. Sie war schon als erste Lok mit Druckluftbremse ausgerüstet. Bei ihr hatte man zwei Luftschläuche an der Pufferbohle befestigt (bei 99 789 auch). Einige Loks waren zu eng "eingeparkt", so dass ich sie nicht fotografierte. Hinter der 761 scheint 99 789 zu übernachten.



      Seit Mitte der 80er beherbergte das Hainsberger Heizhaus auch wieder eine IV K. 99 606 folgte auf 99 568 und wurde ihrerseits 1993 dann von 99 608 abgelöst.
      Die IV K war nicht für den normalen Reisezugdienst vorgesehen, diente für Arbeits- und Sonderzüge, im Rangierdienst und wohl auch mal als Heizlok. Von den Lokpersonalen wurde sie liebevoll gepflegt.

      Wünschen wir den Lokomotiven eine Gute Nacht!!!

      Im Sommer 1990 erlebte die Strecke Freital-Hainsberg - Kurort Kipsdorf nochmals scheinbar normalen DR-Alltag. 5 Planloks waren täglich im Einsatz und beförderten ein abwechslungsreiches Zugangebot von Reisezügen, Güterzügen und Güterzügen mit Personenbeförderung. Es gab Zugläufe auf der Gesamtstrecke, bis Schmiedeberg und auch nur bis Dippoldiswalde. Der Reiseverkehr verringerte sich schon. Touristen orientierten sich nach dem Mauerfall neu und entdeckten weniger das Erzgebirge, mehr ferne Länder. Westdeutsche Touristen mussten erst auf dieses Fleckchen Erde aufmerksam werden. Hauptgüterkunde war noch immer die Gießerei in Schmiedeberg, wo auch der planmäßige Güterverkehr endete. Im Hochsommer 1990 war aber der Rückgang des Gutanfalls schon spürbar. In den Diskussionen spielten Zukunftsängste einstweilen noch keine Rolle, ging alles noch immer seinen sozialistischen Gang.



      Der normale Reiseverkehr lief unauffällig und wohl schon tausendfach fotografiert. Erwähnenswert ist der zu diesem Zeitpunkt ausschließliche Einsatz von Neubauloks, bevorzugten die Hainsberger Lokpersonale doch schon damals die Einheitsloks mit ihrem unverwüstlichen Rahmen, der Speisepumpe und dem Vorwärmer. Einstweilen stand mit 99 761 aber erst eine dieser Maschinen zur Verfügung. 99 734 war wohl im Raw, 99 747 noch nicht auf Druckluft umgebaut (sie sollte dann ja mit Saugluft auch noch ein Gastspiel in Zittau geben) und wo 99 746 zu dieser Zeit war weiß ich nicht.
      99 787 und ihre Lokmannschaft nutzen die Pause am Wasserkran von Dippoldiswalde für einen Plausch mit ihrem Kollegen Volker.



      99 783 rollt aus dem Haltepunkt Schmiedeberg-Naundorf talwärts in Richtung Hainsberg heraus.



      Der Viadukt von Schmiedeberg ließ sich am besten aus dem Fenster eines Wohnhauses an der Schenkgasse fotografieren. Die Bewohner dürften schon fast an die vielen Eisenbahnfreunde in ihrem Treppenflur gewöhnt gewesen sein. Es gibt viele Fotos dieser Art.
      99 777 wird gleich den Bahnhof Schmiedeberg erreichen. Genau genommen hat sie ihn ja schon erreicht, denn die Trapeztafel als offizielle Begrenzung des Bahnhofs steht im Hintergrund am Geländer des Viadukts.



      Abschließend widmeten wir uns noch etwas dem Güterverkehr auf der HK-Linie. 99 789 hat einen kurzen Nahgüterzug nach Schmiedeberg an der Kupplung, als sie hinter Obercarsdorf an uns vorbeidampft. Vorbei waren die Zeiten der überschweren Rollwagenzüge, die den immer etwas schwachen Blechrahmen der Neubauloks in den engen Bögen des Rabenauer Grundes den Garaus machten.





      Auch die Rückleistung mit einem talwärts fahrenden Nahgüterzug sollte 99 789 nicht überfordern. Erst einmal muss in Obercarsdorf die Zugkreuzung abgewartet werden.



      99 783 kam mit einem Personenzug aus Freital-Hainsberg in den Bahnhof gerollt.



      Die nächsten Kilometer durften wir im Gepäckwagen mitfahren und erleben hier die Ausfahrt aus Obercarsdorf. Direkt an der F 170 entlang beschreibt die Schmalspurbahn hier einen Doppelbogen und überquert auf einer Brücke zuerst die Weißeritz und dann die Straße. Diese Brücke wurde im Zuge der Sanierung nach dem Hochwasser neu gebaut und ist heute anzuheben, um dem Wasser im Falle des Falls mehr Raum zu geben.



      Natürlich benötigten auch die Dampflokomotiven der talwärts fahrenden Güterzüge in Dippoldiswalde Wasser. In dieser Position wurde der Wasserhalt dort wohl nicht so oft fotografiert, wie bergwärts.




      In Dippoldiswalde musste noch etwas rangiert werden. 99 789 hatte zwei Rollwagen mit Fcs-Wagen von der Ladestraße abgeholt und rangiert jetzt wieder an ihren Zug. Die Selbstentladewagen waren hier häufig zu beobachten, verursachten mit ihrem hohen Schwerpunkt aber auch Bahnbetriebs"um"fälle, indem sie durch schlechte Gleislage regelrecht vom Rollwagen stürzten.
      Für uns wird es Zeit, uns zu verabschieden. Mein Urlaub neigte sich dem Ende entgegen - schade eigentlich, aber ich wollte noch einige Tage zu Hause verbringen.


      Alle Fotos: Achim Rickelt


      Ich hoffe, Euch hat der zweite Ausflug auf die Weißeritztalbahn zu DDR-Zeiten gefallen. Über Ergänzungen und Erklärungen würde ich mich sehr freuen.
      Es gibt demnächst noch eine kleine Zugabe. Bleibt also neugierig!

      Viele Grüße

      Euer Dampf - Achim Rickelt

      Fortsetzung folgt...




    • Neu

      Hallo Achim!

      Vielen Dank für den interessanten Ausflug in eine Zeit, in der ich gerade mal etwas mehr als ein Jahr alt war! Manchmal wünsche ich mir, ein klein wenig älter zu sein, sodass ich wenigstens noch eine kurze Zeit den Betrieb auf den Schmalspurbahnen bei der Deutschen Reichsbahn hätte erleben können.

      Dampfachim schrieb:

      ...Viele Luftsauger der Bauarten Körting (IV K) und Hardy (Einheits- und Neubauloks)...
      Besaßen die Einheitsloks nicht auch Luftsauger der Bauart Körting?
      Viele Grüße von Johannes
    • Neu

      jay787 schrieb:


      Besaßen die Einheitsloks nicht auch Luftsauger der Bauart Körting?

      Hallo Johannes,

      das kann schon sein. Ich will mich da nicht festlegen, meine aber in einem Video auf einer Zittauer Einheitslok einen Hardy-Sauger gesehen zu haben. Es ist ein Video von Rio Grande, erschien Anfang der 90er und ich glaube mich zu erinnern, dass der Kameramann sowohl auf 99 750, als auch auf 99 759 mitgefahren ist.


      Jan Hübner schrieb:

      Interessant das die 789 talseitig mit zwei Anschlüssen für die HLL ausgerüstet war. In Sachsen ist das ja eher unüblich.

      Hallo Jan,

      darauf war ich im Beitrag bereits kurz eingegangen. 99 761, 99 789 und auch 99 791 besaßen die Luftschläuche vorn und hinten jeweils doppelt. Auf dem Foto von 99 761 aus dem Heizhaus Hainsberg ist dies erkennbar, auf dem Foto der 99 789 bei Obercarsdorf auch.
      Auf diesem Foto ist es dann deutlicher.



      Interessant dabei ist, dass sogar die später wieder entfallene Schlauchkupplung zum Kuppelbaum hin gekuppelt ist. 99 761 und 99 789 haben diese doppelte Ausrüstung inzwischen längst wieder verloren. 99 791 ist so noch ausgestellt.

      Die Neubauloks 99 772, 99 786 und 99 794 waren übrigens bereits auf der Trusetalbahn mit Druckluftbremse ausgerüstet.

      99 781, 99 782, 99 783 und 99 784 bekamen die Druckluftbremse bei der Umsetzung nach Rügen.

      Sowohl auf Rügen, als auch in Thüringen war/ist die doppelte Anordnung der Luftschläuche normal.


      Viele Grüße

      Dampfachim