Im Harz 1988 - 1990

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    • Im Harz 1988 - 1990

      Hallo liebe Freunde der Schmalspurbahnen,

      nachdem wir in verschiedenen Folgen die sächsischen Schmalspurbahnen unsicher gemacht haben, wenden wir uns nun in loser Folge dem Harz zu. Wie viele Fortsetzungen zusammen kommen, weiß ich diesmal noch nicht. In den Jahren 1988 - 1990 habe ich während mehrerer meist mehrtägiger Besuche ziemlich viele Fotos an Harzer Gleisen angefertigt und viel sicherlich erzählenswertes erlebt.

      Mit meinen Freunden Uwe und Ingo war ich vom 13. - 15. Februar 1988 das erste Mal in Wernigerode. Ungewöhnlich für mich, aber diese Daten weiß ich genau. Wir hatten es allerdings nicht in erster Linie auf die Harzquerbahn abgesehen und sind auch nicht mit den Schmalspurzügen gefahren. Die Einsatzstelle Wernigerode Hauptbahnhof wurde aber ausführlich "unsicher" gemacht und sogleich erste Freundschaften mit den Eisenbahnern geknüpft.

      Unser Ziel waren eigentlich die letzten Dampfloks des Bw Halberstadt und der Einsatzstelle Oschersleben. Aber wir wollten das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden und schlugen unser Nachtlager in Wernigerode auf. Damals musste man schon frühzeitig genau wissen, wo man übernachtet, um nicht den Argwohn der Transportpolizei zu erwecken. Schon während der Anreise wurde man spätestens hinter Oschersleben das erste Mal von der Trapo-Zugstreife kontrolliert. Standardfrage war immer, wo man übernachtet. Schließlich bewegte man sich in der Nähe der Westgrenze und musste natürlich vor den Klassengegnern aus dem Westen beschützt werden. :frech:
      In Wernigerode angekommen, wurde aber noch nicht gleich Quartier gemacht, sondern den Dampfloks der Harzquerbahn die erste Aufwartung gemacht.
      Dabei lernten wir die Freundlichkeit der Wernigeröder Lokpersonale sofort kennen und schätzen. Wir durften uns im Betriebsgelände frei bewegen.
      Das musste natürlich ausgenutzt werden und so entstand sogleich eine erste größere Serie von Fotos der großen Harzbullen und ihres Vorbilds, der Einheitslok 99 222.



      Mein erstes Foto auf der Harzquerbahn galt der unter Feuer abgestellten 99 244. Die Einsatzstelle am Hauptbahnhof besaß damals keinen Lokschuppen. Der Schuppen war baupolizeilich gesperrt worden und 1983 abgerissen worden, so dass die Lokomotiven bis zum Neubau des heutigen Schuppens nach 1990 zunächst im Freien bleiben mussten. 99 244 war hier offenbar Reservelok. Sie hat sich nicht vom Fleck bewegt.





      Auf dem Nachbargleis war der "Schuppenheizer" (ohne Schuppen) gerade damit beschäftigt, die 99 246 anzuheizen. Beißender Rauch stieg auf und wegen des fehlenden Saugzugs war auch der ganze Führerstand vom Rauch gefüllt. Das Anheizen einer Dampflok gehört unter Umständen zu den unangenehmsten Pflichten der Lokpersonale, weil man dabei unweigerlich viel Rauch schluckt.



      Warum die Rauchkammer ihren Namen völlig zurecht verdient hat, sieht man auf diesem Bild. Der Bläser der Dampflok kann während des Anheizvorgangs über längere Zeit nicht genutzt werden, weil einfach noch kein Dampfdruck im Kessel gebildet wurde. Dabei muss man wissen, dass der gesamte Vorgang des Anheizens einer Lok mit Stahlfeuerbüchse vom Entzünden des Feuers bis zum Erreichen des Betriebsdrucks mindestens 4 Stunden dauern muss, um im Kesselstahl keine schädlichen Wärmespannungen zu erzeugen. Die ersten Stunden ist der Bläser dabei nicht nutzbar. Der Rauch muss sich seinen Weg allein zum Schornstein suchen, findet dabei aber auch die Spalten der Feuertür und der feine Ruß setzt die Maschen des Funkenfängers in der Rauchkammer schnell zu, so dass das Feuer kaum noch Zug bekommt. Darum muss dieser Funkenfängerkorb immer mal wieder ausgefegt werden.

      Links ist die Einheitslok 99 222 abgestellt, die Anfang 1988 nach einem Zylinderriss in Wernigerode nur noch als Heizlok genutzt wurde. Sie stand unter Dampf und war ohne Zug noch fahrfähig.



      Mit dem Besen wurde der Funkenfänger abgefegt. Ganz typisch ist, dass der dicke Rauch dann auch bei geöffneter Rauchkammertür auch schon wieder durch den Schornstein abzieht und man durchatmen kann. Schnell noch die Dichtfläche der Rauchkammertür abgefegt...



      ...und schnell die Tür wieder zugeschlagen. Ein paar tiefe Atemzüge und man bekommt wieder frische Luft in die Lungen. 1988 nur fotografiert, aber dann schon hundertfach selbst gemacht.



      Die 99 222 stand etwas ungünstig zwischen den Laufstegen der Arbeitsbühne.



      Unterdessen ist weiter vorn 99 232 von der Strecke zurück. Schon damals fiel mir der hervorragende Pflegezustand der Harzer Dampfloks sehr angenehm auf.



      Während sich das Lokpersonal von den Strapazen der Zugfahrt ausruht, hat unser Schuppenheizer wieder einmal eine Rauchkammer geöffnet und schaufelt die Lösche heraus. Ist das Feuer durchgebrannt, hält man das aber gut aus. Es beißt etwas in der Nase, aber kein Vergleich zum Anheizen.



      Noch weiter vorn wartet 99 237 auf Kohle. Das artet für unseren Kollegen ja in Stress aus. Die Arbeit muss getan werden.

      Hier begann meine besondere "Beziehung" zur 99 237. Es ist ganz eigenartig. Fast immer, wenn ich im Harz war, begegnete mir irgendwo die 99 237. Sicher werdet Ihr sie im Laufe der Zeit noch häufiger auf meinen Fotos sehen.
      Auch 99 243 ist solch eine oft fotografierte Lok...








      Die Loks sind zur Drehscheibe vorgerückt und unser Schuppenfeuermann ist dabei, die Schlackereste aus dem Gleis zu schaufeln. Wenn auch kein richtiger Schlackesumpf vorhanden war, so war die Ausschlackstelle doch entsprechend vorbereitet, damit dort keine Schwellen anbrennen konnten.
      Entlassen wir ihn in den verdienten Feierabend und beziehen erst einmal Quartier.





      Bevor es ins Hotel geht, beobachten wir noch die Einfahrt der 99 245 mit ihrem Nahgüterzug aus Benneckenstein.
      Der Rollwagenzug fährt zuerst in den Hauptbahnhof ein, um sogleich zum Umladebahnhof geschoben zu werden. Dort wurden die Rollfahrzeuge zum Abbocken am nächsten Tag bereitgestellt. Heute befindet sich dort die Wagenhalle der HSB.


      Der Brocken ist gerade nicht zu sehen. Er hat sich ein Wolkenmützchen aufgesetzt (über dem Stellwerk). Damals war nicht daran zu denken, die Szenerie einmal von dort oben zu beobachten.

      Mein Freund Uwe liebte es gediegen, hatte bei der DR Freifahrt, war also Eisenbahner und somit keine Aufwendungen für Fahrkarten usw. Ich lernte noch im VEB Schiffsanlagenbau Barth und mit meinem Lehrgeld konnte ich keine großen Sprünge machen. Zwar gab es für Lehrlinge die ohnehin günstigen Fahrscheine zum halben Preis, aber auch der wollte für eine so lange Rundreise durch die DDR erst einmal bereit stehen. Dazu kam, dass ich mir gerade kurz zuvor für 805,50 Mark eine Praktica MTL 5B mit dem günstigeren Zeiss-Tessar-Objektiv geleistet hatte und noch nahezu blank war.
      Uwe liebte es aber, im Hotel zu schlafen und so ging es in Wernigerode ins Hotel Weißer Hirsch. Das lag (und liegt) am Marktplatz, direkt gegenüber dem berühmten Rathaus und war zumindest damals (heute auch noch?) das erste Haus am Platz.
      Zum Glück für mich war das Zimmer nur für eine Nacht frei und die zweite Nacht sollte es in die Jugendherberge gehen.

      Aber nach dem Abendessen wollten wir natürlich noch einmal zum Bahnhof, um nach den Lokomotiven zu schauen.

      Der Lokleiter der Nachtschicht (am Wochenende von 18:00 - 6:00 Uhr - Vierbrigadeplan), Herr Tappe, erwies sich als äußerst freundlicher Gastgeber. Auch der dazugehörige Schuppenheizer war sehr freundlich und so besuchten wir beide nun immer, wenn wir im Harz waren. Uwe arbeitete ja auch im Vierbrigadeplan und wusste also sehr genau, wann sie im Dienst anzutreffen waren.

      Die vielen nebeneinander unter Dampf abgestellten Lokomotiven reizten uns zu Nachtaufnahmen. Schnell wurden wir uns mit den Eisenbahnern einig und durften selbst die Lichtmaschinen der Loks anstellen, das Licht einschalten und nach Herzenslust fotografieren. So hielten wir uns fortan gern auf den warmen Lokomotiven auf, hörten dem Surren des Turbos zu und ließen auch so manchen Pfiff ins abendliche Wernigerode hinüberschallen. Es hat keinen gestört.

      Über Herrn Tappe hatten wir erfahren, dass das Bw Halberstadt noch immer eine Leistung mit der 50.35 nach Ilsenburg ins Stahlwerk fährt. Da inzwischen aber nur noch eine Dampflok im Einsatz steht, kam dieser Zug aber nur unregelmäßig mit Dampf. Er telefonierte mit seinem Kollegen in Halberstadt und erfragte den nächsten Einsatz. In der Nacht vom 14. zum 15.2.88 sollte es soweit sein. Würde der Zug denn in Wernigerode halten, so dass wir mit Stativ wenigstens einige Nachtaufnahmen machen könnten?
      Auch das erfragte Herr Tappe für uns bei den Halberstädter Kollegen. Ja, der Zug sollte Wagen für Wernigerode dabei haben.
      Es war aber noch Zeit, also erst einmal etwas schlafen...





      99 243 war von der Strecke gekommen und nun musste das Feuer geputzt werden. Seit einiger Zeit versuchte ich mich in Nachtaufnahmen. Jetzt war wieder Gelegenheit, die besondere Stimmung einer Dampflok bei Nacht einzufangen. Die glühende Schlacke fällt unter die Lok ins Gleis.





      99 222 hatte sich wohl gar nicht bewegt. Was heizte man mit ihr eigentlich? Vermutlich war sie irgendwie mit dem Vorheizen der Züge beschäftigt. Weiß das jemand?
      Immerhin, sie war vollständig und mit Lampen bestückt. Also konnten wir sie illuminieren.





      An der Parade nahmen teil vlnr: 99 222, 99 245, 99 237 und 99 244

      Nun ging es erst einmal in die Jugendherberge. Bis zur Ankunft der 50.35 war noch genug Zeit für etwas Ruhe. Der Güterzug aus Halberstadt sollte gegen 0:30 Uhr eintreffen.
      Pünktlich waren wir am Bahnhof und Herr Tappe überbrachte uns die Hiobsbotschaft, dass der Zug nun doch nicht in Wernigerode halten würde.
      Man hätte noch zusätzliche Wagen für Ilsenburg erhalten und die Frachten für Wernigerode wieder abgehängt. Auf Grund der hohen Zuglast wäre auch ein Halt in Wernigerode für die Dampflok nicht zu verantworten. Alles umsonst...

      Nun waren wir aber einmal da und begaben uns zum Bahnsteig. Ein Transportpolizist linste auf den Bahnsteig und begrüßte uns freundlich. Als Aufsicht war ein junges Mädel, kaum älter als ich, eingeteilt. Wir kamen ins Gespräch aber auch sie bestätigte unser Pech. Der Zug würde durchfahren.
      Man hätte eine Videokamera haben müssen...

      So stellten wir uns an das Bahnsteigende und schauten in die dunkle stille Nacht. Wernigerode schlief um Mitternacht. Dann hörten wir in der Ferne einen Dampflokpfiff und langsam wurden Auspuffschläge hörbar, die immer lauter anschwollen. Der Zug hatte Heudeber-Danstedt also verlassen und nahm nun die Steigung in Richtung Wernigerode in Angriff. Immer lauter wurde das Stakkato der 50.35, man hätte eine Tonaufnahme machen müssen.
      Dann tauchten drei Lichter am Ende des Schienenstranges auf und kamen langsam auf uns zu.
      Mit ohrenbetäubendem Lärm und aus dem Schornstein Funken stiebend schnaufte 50 3662, die letzte Planlok des Bw Halberstadt, an uns vorbei, bog in den Rechtsbogen des Bahnhofs ein und fuhr … durch.

      Wir trollten uns traurig, hatten zwar unwiederbringliche Eindrücke genossen, konnten sie aber nicht für die Nachwelt konservieren.
      Nun interessierten wir uns dafür, wann und wie denn die Rückleistung erfolgen würde. Das junge Mädel erklärte uns, dass die Lok ganz unspektakulär Lz nach Halberstadt zurück fahren sollte und Wernigerode wohl so gegen 3:00 Uhr durchfahren würde.
      Wir bettelten, dass sie sich bei ihrem Fahrdienstleiter dafür einsetzen sollte, dass aus der Durchfahrt nichts wird und die Lok für einige Fotos halten müsse. Unter den Augen des Transportpolizisten planten wir mit der Eisenbahnerin unseren frevelhaften Eingriff in das sozialistische Eisenbahnwesen. Und dann noch an der so wichtigen Nahtstelle der Systeme. Er konnte aber wohl keinen Hinderungsgrund erkennen. Der Fahrdienstleiter versprach, die Durchfahrt zu stoppen und die Ausfahrt auf Halt zu lassen.

      Wir trollten uns. Bis zur Jugendherberge war es noch ein ganzes Stück und die Ereignisse zwangen uns, unser Bett abzuziehen, die Zeche in der Kasse des Vertrauens zu bezahlen und auszuchecken. Wir wollten ohnehin den ersten Zug nach Halle nehmen, eine Eilzugverbindung wenn ich mich richtig erinnere.

      Während wir durch das nächtliche Wernigerode wanderten, es war noch lange nicht 2:00 Uhr, hörten wir in der Ferne eine Dampflok pfeifen. Die Harzquerbahn schlief, das konnte nur 50 3662 sein. Also Beeilung, damit wir nicht zu spät kommen. Dann war das typische Klappern der Steuerung zu hören, wenn der Regler geschlossen wurde. Am Stellwerk (dort wo heute die Fußgängerbrücke die Gleise überspannt) kurbelte der Wärter (oder war es der Fahrdienstleiter) gerade die Schranken herunter. Wir riefen hinauf, ob denn die 50 käme. Ja... Hat sie Durchfahrt … Nein rot...
      Welch ein Glück, also liefen wir, so schnell wir konnten die Gleise der Einsatzstelle entlang in Richtung Bahnsteig. Unsere Taschen flogen bei Herrn Tappe vor das Fenster der Lokleitung und schon im vollen Lauf zog ich die Beine meines Stativs aus und schraubte es unter die MTL 5B. Drahtauslöser in den Auslöser und der Bahnsteig war stockfinster. Gerade rollte die 50 an der Aufsicht aus. Es gab die Vorschrift, dass Lz-fahrende Lokomotiven an der Aufsicht zu halten haben, wenn sie keine Durchfahrt bekamen. Wir baten die junge Frau, doch bitte die Bahnsteigbeleuchtung einzuschalten. Aber so richtig half das nicht.
      Die Eisenbahner hatten aus der Not eine Tugend gemacht und rangierten nun die Dampflok in Richtung des Schmalspur-Bw. Dort war der Zugpark für unseren Eilzug abgestellt und den konnte man doch gleich an den Bahnsteig vorziehen.
      Dort war das Licht auch besser, vielen Dank!!!



      Es war finster wie im Sack und mein Objektiv fing auch nur die halbe Lok ein. Das teilweise lesbare Bahnhofsschild verrät aber den Aufnahmeort.





      Warum ich den Rücken der 99 222 nicht ganz mit ins Bild genommen habe, weiß ich nicht. Es wäre doch bestimmt ein schöneres Motiv geworden.





      Die rot abgeblendete Laterne verrät, dass man mit diesem Zug nicht auf die Strecke wollte. 50 3662 war noch bis Anfang Mai für das Bw Halberstadt im Einsatz und dann noch bis in den Herbst 1988 von Oschersleben aus. Sie gehörte also zu den letzten 3 Dampfloks im normalen Plandienst der DR.





      Um 3:55 Uhr wurden und werden in Wernigerode wohl selten Nachtaufnahmen angefertigt. Das war unser Abschiedsbild am frühen Morgen des 15.Februar 1988. Ganz links am Bildrand ist ein Lichtschein erkennbar. Das ist die 119, die das Bw Halberstadt für unseren Zug geschickt hatte.


      Alle Fotos: Achim Rickelt



      Leider verging die kurze Zeit wie im Fluge und wir tranken mit Herrn Tappe und seinem Schuppenheizer (ich glaube Swoboda hieß der, der Bruder von Karl-Heinz) noch einen schönen Kaffee, bevor wir uns für's erste verabschiedeten.

      Ich hoffe, Euch hat mein erster Ausflug in den Harz auch gefallen.
      Bei Gelegenheit setze ich den Bericht fort.

      Viele Grüße

      Euer Dampf - Achim Rickelt
    • Also die Schuppenheizer nannten sich im Bw Wernigerode Betriebsarbeiter, und der Bruder von Karl-Heinz heißt Dieter lebt heute in einen Pflegeheim, Günter Tappe ist schon sehr lange tot und das Fahrdienstleitertstellwerk war Nachts nur mit dem Fahrdienstleiter besetzt, also kurbelte der. Die rothaarige Aufsichterin hieß Gerlinde und war meine Freundin, eine Birgit gab es auch. Birgit traf ich später als Aufsicht in Köln Hbf und wenn wir uns da trafen schickte sie mich auch dort auf Reise.
      Der Normalspurzug fuhr früh von Wernigerode erst nach Ilsenburg um von dort nach Leipzig zu starten. Bis Halberstadt als P und danach als E Zug.
      Die Heizlok hat die Werkstatt im Westerntor beheizt und stand somit Nachts im Bw warm abgestellt. Außer WE da wurde sie auch schon mal kalt gemacht.
      Was mich aber verwundert, ist der sehr starke verschutzungsgrad der Kleidung der Kollegen welche vor der Rauchkammer stehen. Das war so nicht üblich oder ist es ein Effekt deiner Fotos. Der Betriebsarbeiter arbeitet heute als Lokführer und auch als Zugleiter, der Heizer hat eine Lokführerstelle in Gernrode besetzt und der Lokfüher 79 kommt so wie Karl-Heinz und ich immer noch zum Rentnertreff.
      Beim anheizen der Dampfloks wurde in Wernigerode immer ein in den Schornstein eigehangener Drucklufthilfsbläser, verbotener Weise, benutzt. Da verrußten die Führerstände nicht so stark. Trotzdem setzten sich die Funkenfänger mit den feuchten Rauchgasen zu. Denn angeheizt wurde fast immer mit Steinkohle wobei eine andere Lok als Feuerspender benutzt wurde.


      Beste Grüße Reiner
    • Hallo Reiner,

      natürlich habe ich gehofft, dass Du meinen Beitrag ergänzt. Sehr schön und so kann ich darauf eingehen. Nicht in der richtigen Reihenfolge...

      1. Wie die junge Aufsicht aussah oder wie sie heißt weiß ich nicht mehr. Ich erinnere mich, dass sie 1988 so um die 20 Jahre alt war. Ich war damals knapp 18, also in einem ähnlichen Alter. Ich erinnere mich weder an ihre Haarfarbe, noch an ihr Aussehen.
      Der Transportpolizist war sehr entspannt und ich weiß nicht, ob es der gleiche war, der in einer Fortsetzung noch eine kleine Rolle spielen soll.

      2. Wir hatten damals mit Günter Tappe die Adressen getauscht und ich glaube, dass Uwe sich mit ihm teilweise geschrieben hat. Damals war ich extrem schreibfaul und schreibe heute auch am liebsten am Computer, kaum mit der Hand. Da Uwe 1990 starb, brach auch der Kontakt zu Günter Tappe ab. Er war damals ja auch schon recht alt und ist bestimmt bald nach der Wende in Rente gegangen.

      3. Zum Verschmutzungsgrad der Kleidung kann ich jetzt nichts sagen.

      4. Mit Karl-Heinz Swoboda war ich in Güstrow und habe auch erst dort erfahren, dass sein Bruder der besagte Betriebsarbeiter war. Karl-Heinz habe ich 1989 einmal auf der Lok fotografiert. Mal sehen, ob ich das Foto dann mit einbaue.

      5. Da der 13. und 14.Februar 1988 auf ein Wochenende fiel, ist auch klar, warum die 99 222 unter Ruhefeuer stand. Nein sie war die ganze Zeit warm.

      6. Das Anheizen mit Steinkohle ist bei uns verpönt und wird kaum mal praktiziert. Eigentlich heizen wir mit möglichst viel Holz an und stellen dann später auf Braunkohlebrikett um. Mir war schon ziemlich klar, dass der Kollege die 99 246 damals mit Steinkohle geheizt hat. Wenn wir Zeit haben, feuern wir sehr sparsam und qualmen dann auch nicht so sehr, wie auf dem Bild. Ich kenne das aber auch und manchmal klappt es nicht so qualmarm.
      Wichtigste Voraussetzung ist das gute Vorheizen der Rauchkammer. Dort hängen wir gut ölgetränkte alte Putzlappen über das Spritzrohr und brennen sie ab, bevor wir hinten Feuer machen. Schau mal hier: Feuerzauber mit Aquarius C

      Hilfsbläser mit Luftbetrieb kenne ich auch. Wenn man's nicht übertreibt, braucht man das nicht.
      Auf den Fotos siehst Du ja auch, dass der Kollege damals auch keinen Hilfsbläser genutzt hat.

      Das sich die Funkenfänger zusetzen, ist ein normales Ärgernis. Da haben die sächsischen Kollegen mit ihren IV K den Vorteil. Die IV K besitzt einen Plattenfunkenfänger, der wie ein Backblech in eine Führung geschoben werden kann. Zum Anheizen, oder unter Ruhefeuer kann der Funkenfänger mit einem Handgriff herausgezogen werden und man heizt ohne Funkenfänger. Die Jöhstädter 99 4511 hat das auch und da ich sie schon zweimal betreuen durfte, kenne ich das auch aus eigenem Erleben.
      Die großen Körbe mit den Prallblechen lassen sich unter Feuer ja nicht wirklich aus- und einbauen.

      7. Die 50.35 hat den Zug damals nur aus der Ecke an den Bahnsteig vorgezogen. Das war nach Auskunft der Aufsicht eigentlich unüblich, aber man hat die Gelegenheit genutzt.
      Das war bestimmt eine Aufgabe der 119, die ja rechtzeitig Lz aus Halberstadt kam. Kannst Du das bestätigen? Dass der Zug zuerst nach Ilsenburg fuhr, kann gut sein. Das würde ja auch erklären, warum die 119 auf dieser Seite war und damit auf dem letzten Foto etwas zu sehen ist.
      Wir sind damals ziemlich lange in der Lokleitung geblieben und erst kurz vor der Abfahrt zum Bahnsteig gegangen. Gut möglich, dass der Zug dann erst aus Ilsenburg kam.

      Viele Grüße

      Dampfachim
    • Hallo Achim,

      danke für den Bericht und die vielen schönen Bilder. Diese erwecke Erinnerungen in mir, liegt doch der Harz fast vor meiner Haustüre. So habe ich mich da oft rumgetrieben. Damals mit der blauen Karte "Freifahrt auf allen Strecken der Deutschen Reichsbahn" war das kein Problem. Ich kenne auch noch die Zeiten, als dort noch die Öler rumstanden. Wenn ich mal Zeit habe, muss ich mal auf meinen Festplatten suchen, da findet sich was.

      Dank an auch an Reiner für die Ergänzung.

      Lg aus Magdeburg
      :wink: Wieland
    • So ist das mit den Erinnerungen Achim, man findet immer mehr und Bilder helfen einen auf die Sprünge.
      Ein Lockfeuer in der Rauchkammer einer Lok sehe ich zum ersten mal, hinter deinen Link, und kannte es vorher nicht. Aber schon logisch.
      Feuer in die Schubkarre machten wir nicht, die glüht dann nämlich schnell aus. Und wenn du noch großes Pech dazu hattest das verbrannte auch noch der Reifen und platzt dabei. Naja wie auch immer jeder hat so seine Erfahrungen und spliene.
      Beim anheizen bedienten wir uns auch noch mit einen anderen Trick. Von einer zweiten Lok wärmten wir, ähnlich wie beim Feuerlosen anheizen, den Kessel mit Fremddamf über die Zugheizung vor, so das dann auch der eigene Hilfsbläser benutzt werden konnte. Den Lufthilfsbläser benutzten wir nur so lange bis die Lok angebissen hatte, dann wurde er entfernt. Nach der Wiedereröffnung der Brockenbahn schickte die DR alle Mitarbeiter welche die altersgemäßen Voraussetzungen erfüllten in den sogenannten Vorruhestand. Ich meine Tappe gehörte dazu. Zu den Trapos, es gab überall solche, und solche. Viele waren Dienstgeil, aber alle waren ja auch nur Menschen die vom System mißbraucht wurden. Auch wir wurden von ihnen oft nicht verschont. Einmal während der Fahrt neben den Schutzstreifen zwischen Elend und Sorge blieb mir die Luftpumpe stehen und da wir vor einer Gefällefahrt standen sah ich es geboten die Luftpumpe vor der Gefällefahrt ingangzusetzen, wegen der Erschöpfung der Bremse die es nicht geben sollte aber doch real war. Also hielt ich den Zug an um der Luftpumpe eins mit denHammer auf die Mütze zu geben. Beim absteigen sagte ich noch zu meinen Heizer geh mal zu den Steinpilz, den wir schon seit Tagen beobachtet hatten, und ernte den. Gesagt getan ich der Luftpumpe mit den Hammer gut zugeredet und Detlef den Pilz geerntet. Der Trapo Behrend natürlich mich angeschissen das ich eine Luftpumpenstörung vorgetäuscht habe um Pilze zu sammeln.
      Ich mußte mal wieder zum Chef, ho ho ho was haste den da wieder gekonnt waren seine Worte. Letzten Endes haben wir über den Trapomann gelacht und alles war gut.
      Viele merkten aber auch das sie uns das Wasser nicht reichen konnten und verhielten sich loyal.


      Beste Grüße Reiner
    • Hallo Reiner,

      Pilze sammeln kenne ich auch. Ist zwar schon lange her und hatte mit Trapo und Grenze auch nichts zu tun. An unserer Strecke wuchsen wunderbare Riesenschirmpilze, die mein Heizer unbedingt haben wollte. Wir waren wegen ausgefallener Bedarfshalte überpünktlich und hielten. Das war regelrechte Ernte. Nicht nur mein Heizer, auch unsere Zugführerin nahm sich Pilze für ein ganzes Pilzgericht mit.
      Damals hießen wir aber auch noch Reichsbahn und die Tinte auf meinem Patent war kaum trocken.

      Ich habe gestern gerade bei DSO das feuerlose Anheizen beschrieben. Wenn man andere Loks unter Dampf stehend zur Verfügung hat, ist das, wenn man es richtig macht, für Kessel und die Umgebung sogar schonender. Ihr kanntet es ja von der Ölhauptfeuerung, aber es funktioniert natürlich auch mit Rostfeuerung. Ich habe es bisher nur beim Anheizen von Regelspurloks in Putbus erlebt.

      Die Karre - ja das sieht schlimm aus. Wenn Du genau hinschaust, so wollte der Kollege die Glut ja sofort löschen. Normalerweise füllen wir die Karre ja schon vorher mit Wasser, aber der Heizer war mit seiner Schaufel schneller, weil der andere Kollege noch mit dem Anheizen beschäftigt war. Mir gefiel es besser und so hielt ich ihn zurück. Meine Kommentare im Hintergrund sind ja gut zu hören. Das Feuer dann in einer großen Dampfwolke enden zu lassen, gefiel mir dramaturgisch einfach besser. Der Heizer hatte sich übrigens die Karre ausgesucht, die sowieso schon eine löchrige Mulde hatte und zur Erneuerung durch die Werkstatt anstand. Wir haben meist mindestens zwei Karren zur Auswahl. Unsere Werkstatt baut die Mulden für Schubkarren immer mal neu, manchmal sogar auf Vorrat. Da war also nichts mehr zu versauen. Das Rad hat es überlebt. Man kann das schon mal machen. Übrigens, das geschah alles unter Aufsicht des damaligen Eisenbahnbetriebsleiters. Das war nämlich der Lokführer der Aquarius.

      Das Vorheizen der Rauchkammer ist bei uns ein festes Ritual beim Anheizen. Das wird praktisch immer so gemacht, es sei denn ein Kessel ist noch warm und war nur kurzzeitig entfeuert.
      Aber auch wenn die Rauchkammer innen nicht so sehr schwitzt, der Rauch verstopft den Funkenfänger beim Anheizen auch. Nicht so stark natürlich, aber vor dem endgültigen Fahren auf die Strecke sollte man den Funkenfänger auf jeden Fall noch einmal sauber machen. Ist die Rauchkammer aber warm, gibt es von Anfang an so etwas wie einen natürlichen Saugzug. Wer noch die Ofenheizung kennen gelernt hat, wird den Unterschied eines kalten zu einem warmen Schornstein kennen.
      Wenn das Feuer in der Rauchkammer noch brennt, bezieht es sich ja auch den Sauerstoff durch die Rohre aus der Feuerbüchse. Wenn man schon in diesem Zeitraum dort das Feuer entzündet, wird es sogar richtig angefacht und das Anheizholz brennt umso besser an.
      Es gibt aber auch Kollegen, die das Feuer in der Rauchkammer zuerst nahezu ausbrennen lassen. Ich warte nicht so lange und feuere schon parallel hinten an.

      Bei uns wechselten auch mehrere Kollegen in den Vorruhestand. Nach 1990 hat kaum noch jemand tatsächlich bis zur Altersrente gearbeitet. Da gab es verschiedene Vorruhestandsregelungen und manche, auch jüngere, Kollegen ließen sich sogar von großzügigen Abfindungsregelungen locken und ärgerten sich dann, dass ein Großteil der ach so großen Summe dann zum Finanzamt ging.
      Die Deutsche Reichsbahn und später dann die Deutsche Bahn versuchte ja fortwährend Personal loszuwerden. Nachwuchs wurde kaum noch gewonnen, was heute ein Loch in die Personaldecke reißt, weil praktisch eine ganze Eisenbahnergeneration fehlt.

      Viele Grüße

      Dampfachim
    • Ein großartiger Bericht, genau nach meinem Geschmack! So wie auf deinen Bildern hat in meinen Erinnerungen alles angefangen. Die Harzer Schmalspurbahn der 80er Jahre ist praktisch daran schuld, daß ich diese Eisenbahnmacke habe und später auch "nichts Vernünftiges" gelernt habe. Hab diese Entscheidung allerdings noch keine einzige Sekunde meines Lebens bereut! :-D