5 Jahre Rügensche BäderBahn - RüBB (Teil 2)

    • 5 Jahre Rügensche BäderBahn - RüBB (Teil 2)

      Hallo liebe Eisenbahnfreunde,

      im ersten Teil - boards-4you.de/wbb13/60/thread.php?threadid=7208&sid= - haben wir uns mit der Vorgeschichte der Rügenschen BäderBahn beschäftigt. Heute, pünktlich zum offiziellen Jubiläum 5 Jahre Rügensche BäderBahn, schauen wir uns an, wie es weiterging. Viel Spaß beim Lesen und Schauen.


      Gespannte Ruhe auf Rügen

      Nachdem am 31. Dezember 2007 die letzten Züge auf dem Bahnhof Putbus angekommen waren, stellte die Rügensche Kleinbahn GmbH & Co, abgesehen von der fachgerechten Abstellung der Dampflokomotiven am 2. Januar 2008, ihren Geschäftsbetrieb vollkommen ein.
      Für den Bereich der Kleinbahn war das auch folgerichtig, denn die Rügensche Kleinbahn GmbH & Co hatte nicht mehr das Recht, die Grundstücke des Landkreises zu betreten.
      Aber die RüKB hatte auch vertragliche Beziehungen mit der DB Netz AG und stellte im Auftrag der DB AG den Fahrdienstleiter auf dem Bf. Putbus, der gleichzeitig der Zugleiter für die Strecke Bergen auf Rügen - Lauterbach Mole war.
      Im Zuge der im ersten Teil erwähnten Freistellung wurden auch die dort tätigen Kollegen von ihrer Dienstpflicht entbunden.
      Damit kehrte zwangsläufig auch auf den Regelspurgleisen zwischen Bergen und Lauterbach Ruhe ein. Die Triebwagen der OLA mussten pausieren, was natürlich der RüKB seitens der DB AG unnötige Schadenersatzforderungen eingebracht haben dürfte.

      Während in Schwerin die Vergabekammer die Rechtmäßigkeit des Vergabeverfahrens prüfte und diese schließlich am 24. Januar 2008 bescheinigte, bewegte sich in Putbus kein Rad mehr.
      Ein Sicherheitsdienst kontrollierte im Auftrag des Landkreises das Gelände und verhinderte, das befürchtete unkontrollierte Verbringen, wertvoller Anlagen bzw. Fahrzeuge durch die RüKB oder Dritte.

      Weil es keinen gültigen Verkehrsvertrag für die Strecke Putbus - Göhren gab, konnte auch kein regulärer Schienenersatzverkehr organisiert werden.
      Statt dessen beauftragte der Landkreis Rügen das kreiseigene Busunternehmen mit einem Interimsbetrieb zwischen Putbus und Binz zu den ehemaligen Abfahrtszeiten der Züge. Für den Abschnitt Binz - Göhren wurde auf regulär in ähnlicher Fahrplanlage verkehrende Linienbusse verwiesen.
      Dieser provisorische Betrieb sicherte Berufspendlern und auf die Bahn angewiesenen Einwohnern eine gewisse Mobilität, auch wenn einzelne Haltepunkte bzw. Bahnhöfe ( Seelvitz, Jagdschloss, Garftitz, Sellin West, Philippshagen ) nicht bedient werden konnten.

      Auch nach der Entscheidung der Vergabekammer und Ablauf der daraus resultierenden Einspruchsfrist, bewegte sich die RüKB nicht.
      Wenigstens gab es eine Lösung für die Regelspurstrecke.

      Die EBB Pressnitztalbahn mbH (PRESS) erklärte sich noch im Januar 2008 bereit, eigenes Personal für den Dienst als Fahrdienst- und Zugleiter auf dem Bf. Putbus sowie der angeschlossenen Regelspurstrecke bereitzustellen. Durch den Einsatz dieser Kollegen aus Sachsen konnte schließlich der planmäßige Zugbetrieb auf der Regelspur wieder aufgenommen werden.


      Die Kleinbahn im Räderwerk der Tourismuswirtschaft

      Ein ruhender Roland war im Winter schon kaum zu ertragen, für das im März 2008 anstehende Ostergeschäft der Hotel- und Tourismuswirtschaft, aber nicht hinnehmbar. Schon die relativ kurze Stillstandsphase im Mai 2004 hatte deutlich gezeigt, wie abhängig die Region Südostrügen vom Verkehrs- und Imageträger Rasender Roland ist. Selbst in diesem kurzen Zeitraum kam es zu ersten Entlassungen in Hotels und Gaststätten an der Bäderküste. Bestehende Buchungen wurden storniert oder verkürzt. Es fehlte ein wesentliches Ausflugsziel.

      Das sollte sich 2008 auf keinen Fall wiederholen und auch wenn noch niemand genau einschätzen konnte, wann der Roland seinen normalen Betrieb wieder aufnehmen konnte, sollte doch alles unternommen werden, dass zum Osterfest wieder Dampfwolken über Südostrügen aufsteigen würden.

      An eine "Reaktivierung" der RüKB wurde zwar gedacht. Aber man befürchtete, damit den Wechsel des Betreibers noch mehr zu verzögern.

      Die PRESS konnte aber mit Stand Februar 2008 weder auf die Fahrzeuge, noch auf die Streckeninfrastruktur der RüKB zugreifen.

      Somit wurde schließlich einvernehmlich zwischen Land, Kreis, RüKB und PRESS folgende Lösung gefunden.

      Die Rügensche Kleinbahn GmbH & Co nimmt die Verantwortung als Eisenbahninfrastrukturunternehmen ( EIU ) wieder auf. Dafür wurde nochmals ein befristeter Pachtvertrag für die Grundstücke bis 31. 5. 2008 geschlossen, der es der RüKB wieder gestattete, die Strecke als Infrastruktur zu betreuen. Die Fahrdienst- / Zugleiter der RüKB, die Kollegen vom Gleisbau und der Eisenbahnbetriebsleiter der RüKB wurden wieder zur Arbeit gerufen. Für das übrige Personal blieb die Freistellung in Kraft.

      Die PRESS war nun aber gezwungen, eigenes Personal und Fahrzeugmaterial, eigene Beförderungsbestimmungen, Fahrkarten usw. mitzubringen. Mit dieser Übergangslösung konnte schließlich ein eingeschränkter Eisenbahnbetrieb zwischen Binz und Göhren, also auf dem am stärksten frequentierten Abschnitt aufgenommen werden.


      Wieder Leben auf den Bahnhöfen

      Nachdem alle Formalitäten, auch mit der RüKB geklärt waren, konnte die PRESS an die praktische Durchführung dieses Plans gehen.
      Die PRESS ist mit ihrem gelben Tieflader seit Jahren ein zuverlässiger und gern gesehener Partner und so konnten die bestehenden Geschäftsbeziehungen zu den beiden wichtigsten sächsischen Schmalspurbahnbetreibern genutzt werden, dort Fahrzeuge für einen "Übergangsbetrieb" genannten Interimsbetrieb auf der Insel Rügen anzumieten.

      Die SDG stellte von ihrer Fichtelbergbahn die Dampflok 99 773, 5 Sitz und einen Gepäckwagen zur Verfügung.
      Von der SOEG konnte die Pressnitztalbahn die Dampflok 99 787 und 4 Sitzwagen anmieten.
      Die Museumsbahn IG Preßnitztalbahn e.V. stellte die Diesellok 199 008-4 und den Gepäckwagen 974-378 zur Verfügung

      Eine bemerkenswerte logistische Meisterleistung war der kurzfristige Transport dieser vielen Fahrzeuge von Sachsen auf die Ostseeinsel.
      Neben dem bekannten gelben PRESS-Schwerlastverband kamen zwei zusätzliche Sattelzüge externer Speditionen zum Einsatz.

      Die Gleisbaufachleute der RüKB waren nun dabei, die Strecke nach über 2 Monaten Stillstand zu inspizieren, abgebrochene und ins Profil ragende Äste zu beseitigen und an allen Bahnübergängen die Spurrillen zu reinigen. Nach über 2 Monaten war der gelbe SKL der RüKB das erste fahrende Eisenbahnfahrzeug auf der Strecke Putbus - Göhren.

      Am 10. März 2008 wird die neue Homepage der Rügenschen BäderBahn eingerichtet.
      Dieses Internetangebot geht mit folgendem Eintrag an den Start:

      Montag, 10.03.2008
      Mit den Zeilen: "Wir freuen uns sehr, ihnen mitteilen zu können, dass die Eisenbahn-Bau- und Betriebsgesellschaft Pressnitztalbahn mbH den Zuschlag für den Verkehrsvertrag zum Betreiben der Schmalspurbahn auf Rügen erhalten hat." eröffneten wir die Homepage unter der Domain ruegensche-baederbahn.de.


      Am 12. März 2008 rollte mit 199 008-4 das erste Mietfahrzeug von der Rampe. Diese V 10 C wurde in der Folgezeit zum Rangieren der ankommenden Fahrzeuge benötigt. Beginnend mit den Wagen der SDG wurden sogleich erste Wagen angeliefert.



      Mit der 199 008-4 der Interessengemeinschaft Preßnitztalbahn e.V. aus Jöhstadt steht erstmals eine betriebsfähige V 10 C auf den Putbuser Gleisen. Die kleine blaue Diesellok hat seit 2008 nun schon unzählige Betriebstage auf unserer Insel geleistet und wurde im März 2008 als wendige Rangiermaschine zum Rangieren der eintreffenden Mietfahrzeuge benutzt.

      Am 14. März kam mit der Oberwiesenthaler 99 773 die erste gemietete Dampflok in Putbus an. Die Betriebsanlagen in Putbus konnten zu dieser Zeit durch die PRESS nur sehr eingeschränkt genutzt werden. Lediglich der Wasserkran stand zur Verfügung. Die meisten Gleise waren durch die zum Stillstand verurteilten Rügener Fahrzeuge belegt.



      Als am 14. März 2008 die Entladung der Oberwiesenthaler 99 773 vorbereitet wird, hält auch ein Kamerateam des NDR und ein Korrespondent der Presse das historische Ereignis fest.

      Zeitgleich kehrte in Göhren wieder Leben im Lokschuppen ein.
      Für den Übergangsbetrieb wurde der Lokschuppen Göhren, neben seiner Funktion als Abstellort für die Lokomotiven, zur Betriebszentrale der nunmehr als "Rügensche BäderBahn" firmierenden Niederlassung der PRESS.
      Viele Räume des Lokschuppens waren seit Jahren nicht mehr genutzt worden. Nun wurden sie entstaubt, renoviert und nutzbar gemacht.

      Am Sonntag, den 16. März 2008 war es soweit.
      Dampfwolken stiegen wieder über Putbus auf. 99 773 stand unter Dampf. Die ersten Fahrzeuge wurden zur möglichst baldigen Betriebsaufnahme nach Göhren überführt.
      99 773 nahm Aufstellung in ihrem neuen zeitweiligen Zuhause, dem Lokschuppen Göhren auf der Ostseeinsel Rügen.



      Am Samstag, den 15. März 2008 wird die 99 773 in Putbus zum Anheizen vorbereitet. Ein erster Versuch, noch man 14. März, musste wegen einer stark undichten Waschluke abgebrochen werden. Nach dem Abdichten und dem erneuten Füllen des Kessels mit Wasser ist die Lok bereit.



      Am 16. März 2008 dampfte die erste Zuggarnitur aus Leihfahrzeugen nach Göhren. Der Zug bestand aus der Dampflok 99 773, 4 Sitz- und einem Gepäckwagen, alle von der SDG-Fichtelbergbahn. Hier erreicht der Zug den Hp. Posewald.



      Während der Einfahrt des Zuges in den Bf. Binz LB spendeten die zufällig anwesenden Passanten den Eisenbahnern spontan Beifall. Nicht nur diesen Urlaubern dürfte ein Stein vom Herzen gefallen sein.



      Weil diese Überführungsfahrt gleichzeitig zur Einweisung der sächsischen Kollegen durch den EBL der RüKB in die Besonderheiten unserer Strecke genutzt wurde, war er nicht so fix unterwegs, wie üblich. Das ermöglichte mir, auf staubigen ausgefahrenen Pfaden, die kleine Steigung vor Sellin West mit dem Auto zu erreichen.



      Mit dieser Ansicht wollen wir die Verfolgung des ersten Dampfzuges nach zweieinhalb Monaten beenden. 99 773 hatte sich an diesem 16. März für einige Fotos an die andere Zugspitze gesetzt. Ein Motiv, das in der kommenden Zeit zur Normalität in Göhren werden sollte.



      Schon lange hatte keine angeheizte Dampflok im Göhrener Lokschuppen gestanden. 99 773 eröffnete den Lokbahnhof Göhren der RüBB an diesem 16. März 2008 wieder.

      Noch immer lagen keine endgültigen Nutzungsbedingungen für die Infrastruktur von der RüKB vor. Wertvolle Zeit verstrich, der Zug stand in Göhren und die Lok dampfte im Lokschuppen.

      Am Dienstag, den 18. März 2008 fand eine Probe- und Abnahmefahrt Göhren - Binz LB - Göhren im Beisein der Landesbahnaufsicht statt, die der Strecke und den Fahrzeugen die volle Betriebsfähigkeit bescheinigte. Weil die Loks nicht über die streckenübliche Zugfunkausrüstung verfügten, wurde aber nur ein Einzugbetrieb auf dem Abschnitt Binz - Göhren gestattet. Damit war aber der saisonal übliche Zweistundentakt auf diesem Streckenabschnitt zu erbringen.



      Die Rügensche BäderBahn fährt!

      Göhren, den 18. März 2008, 13.34 Uhr, der erste öffentliche Personenzug der Rügensche BäderBahn setzt sich in Bewegung!
      99 773 der SDG Fichtelbergbahn zog 4 Sitz- und einen Packwagen ihrer Heimatstrecke über die Insel.
      Auf Rügen erschallten nach zweieinhalb Monaten Ruhe wieder planmäßig die Auspuffschläge und Dampfpfeifen von Dampfloks.



      Die Rügensche BäderBahn begrüßt ihre allerersten Fahrgäste am 18. März 2008 um 13.34 Uhr in Göhren. Familie Petersen-Jahn aus Hannover hat es sich nicht nehmen lassen, den allerersten Zug nach Binz LB zu besteigen und wird vom jungen Zugpersonal betreut. Klassisch mit DR-Uniform versehen die jungen Kollegen ihren Dienst an Bord des ersten regulären Reisezuges der RüBB.

      Foto: PRESS / Hahn




      Der Eisenbahnbetriebsleiter der PRESS informierte mich am Mittag des 18. März 2008, dass der reguläre Betrieb sogleich aufgenommen werde. Sofort machte ich mich auf den Weg und konnte den ersten Zug in der Nähe von Garftitz fotografieren. Die Fichtelbergbahn auf Rügen.

      Vielen Dank den Kollegen aus Jöhstadt, Espenhain und Oberwiesenthal. Vielen Dank den Politikern in Bergen und Schwerin und natürlich auch vielen Dank den Kollegen der RüKB, die in dieser emotional schwierigen Situation professionell und zuverlässig ihre Arbeit machten, oder zwangsweise pausieren mussten. Der Rasende Roland lebte wieder. Ein ungemein wichtiger Meilenstein war geschafft.


      Das sprach sich natürlich auch ohne langfristige Ankündigung schnell in den Badeorten herum und so füllten sich alle an diesem Nachmittag noch verkehrenden Personenzüge schnell mit dampfhungrigen Gästen und Einheimischen.



      Am Nachmittag verlässt ein Personenzug Baabe und passiert das Mönchguter Tor am Ortseingang. Dieses Tor markiert die ehemalige Grenze zum Klostergut des Zisterzienserklosters Eldena bei Greifswald, dem Mönchgut.



      Ankunft in Binz LB. 99 773 hat schon mit dem zweiten Zug des Tages eine erstaunliche Anzahl Fahrgäste mitgebracht.

      Am 19. und 20. März trafen weitere Waggons in Putbus ein. Schließlich wurde am 20. März in Putbus auch die Zittauer 99 787 entladen und sogleich angeheizt.
      Am späten Nachmittag stellte die noch immer als Rangierlok in Putbus fungierende 199 008-4 den zweiten Überführungszug zusammen.



      99 787 aus Zittau wird in Putbus entladen. Sie wird schon kurze Zeit später angeheizt, um am Abend nach Göhren zu dampfen.



      Stunden später rangiert die Lok an ihrer demontierten Schwester 99 782 vorbei. Die muss noch einige Monate warten, bis sie wieder im Einsatz stehen darf.

      Am 20. März 2008 gegen 18.00 Uhr dampfte 99 787 mit diesen Wagen und der Schlusslok 199 008-4 nach Binz, wo dieser Zug aus 4 Sitzwagen der SOEG, 1 Sitzwagen der SDG-Fichtelbergbahn, dem Packwagen der IG Preß und der V 10 C der IG Preß mit der im Plandienst stehenden SDG-Garnitur vereinigt wurde.
      Zwei Dampfloks, 9 Sitz- und zwei Packwagen, am Schluss die Diesellok passten kaum in den Bahnhof.
      Ein eindrucksvolles Bild einer logistischen Meisterleistung. All diese Fahrzeuge waren innerhalb weniger Tage organisiert und über hunderte von Kilometern herangeschafft worden.



      Am Schluss des zweiten Überführungszuges wird auch 199 008-4 nach Göhren überführt. Damit kehrte wieder Ruhe auf dem Bahnhof Putbus LB ein. Aber der Startschuss für eine beispiellose Entwicklung des Rasenden Roland war bereits gefallen. Im März 2008 begann die PRESS bzw. die ZNL. Rügensche Bäderbahn die Kleinbahn zu sanieren und wieder zukunftsfähig zu machen.



      99 787 der SOEG in Binz. Der Zug aus Putbus wurde hier mit dem planmäßig verkehrenden Zug vereinigt.



      Ein wenig dunkel schon. Aber diese lange Schlange in Binz musste einfach auf dem Chip verewigt werden. Meine damalige Kamera war mit den Lichtverhältnissen leider etwas überfordert und ein Stativ war nicht zur Hand. 99 773 und 787 ziehen insgesamt 11 Wagen und die 199 008-4 von Binz nach Göhren.


      Der lange Weg zur Normalität

      Die Kleinbahn verkehrte nun wieder regelmäßig. Am Karfreitag, den 21. März 2008 lösten sich beide Dampfloks im Umlauf ab. Man hatte 99 787 gleich unter Dampf gelassen.
      Für Rügens Osterurlauber kehrte ein Stück Normalität in ihren Rügenurlaub zurück.

      Aber viele fragten sich verwirrt, ob sie sich verirrt hatten.
      Sächsische Züge, sächselndes Personal...?
      Allen war klar, dass es bis zur Normalität noch ein langer Weg war.



      Vier Eisenbahner der PRESS präsentieren sich in unterschiedlichen Uniformkonfigurationen dem Kameraauge.

      Angesichts der beeindruckenden ersten Betriebstage dämmerte es wohl auch Hermann Schöntag endlich, dass es auf Rügen wohl auch ohne ihn ging.

      Zum 1. April verkaufte er die meisten Fahrzeuge der RüKB an den Landkreis Rügen. Zur eigentlichen Übergabe kam es aber erst am 7. April.
      Er beabsichtigte aber, weiterhin als Eisenbahninfrastrukturunternehmen ( EIU ) aufzutreten.

      Im Laufe des Monats April 2008 kam es zu ersten Kündigungen langjähriger Kleinbahner bei der RüKB. Diese Kollegen bekamen sofort eine Anstellung bei der PRESS und konnten ihre Arbeit bei der RüBB in ihrem gewohnten Tätigkeitsfeld aufnehmen.



      Die Lok braucht Kohle. Mit einem kleinen Mietbagger wird 99 773 an der Bahnhofseinfahrt von Göhren bekohlt.



      Die sächsischen Lokomotiven waren natürlich nicht mit den hier üblichen Ansteuerungen für die Bahnübergänge ausgestattet. Vor jedem beschrankten Bahnübergang musste daher auf der automatischen Hilfseinschaltschleife gehalten werden, damit sich die Sicherungstechnik einschaltet.



      Nach einigen Einsatzwochen der 99 773 kam dann auch wieder 99 787 zum Einsatz, die hier am 22. April 2008 in Göhren gerade Reisezugwagen rangiert.

      Mit der Übernahme der Fahrzeuge durch den Landkreis und der Vermietung an die RüBB begann für die Eisenbahner ein beispielloser Marathon. Jedes übernommene Fahrzeug musste gründlich überprüft werden. Der relativ abgewirtschaftete Zustand des Fahrzeugparks, etliche Fristen waren schon verlängert worden, durfte natürlich nach der Inbetriebnahme zu keinen Problemen führen.
      Die Werkstatt in Putbus war zu dieser Zeit noch nicht voll betriebsbereit, ein Großteil der Arbeiten an den Fahrzeugen wurde durch Werkstattpersonal der PRESS vom Standort Espenhain unterstützt.
      Aber jeder Wagen wurde in Putbus überprüft. Erkannte Schäden wurden sofort beseitigt. Die Zeit drängte. Möglichst schnell sollte eine zweite Zuggarnitur bereitstehen.

      Die beiden Mietloks wurden mit den inzwischen übernommenen Zugfunkeinrichtungen abgestellter RüKB-Loks ausgerüstet. Die Ansteuerung für die RüKB-Schrankenanlagen konnte für die kurze Einsatzzeit nicht nachgerüstet werden, so dass die 99 773 und 787 auch weiterhin die Hilfseinschaltung der Bahnübergänge ( Automatik HET ) benutzen mussten.

      So wurde als erste die Lok 99 4801, die noch ausreichende Untersuchungsfristen und den augenscheinlich besten Zustand aufwies, nach Jöhstadt zur Reparatur abgeholt. Die Schlosser der PRESS, unterstützt von Kollegen aus Putbus, reparierten innerhalb kürzester Zeit die Dampflok und führten sogar eine Probefahrt Jöhstadt - Steinbach u.z. mit dieser Lok durch. Am 26. April 2008 konnte mit dieser Lok und der 99 773 der durchgehende Zweizugbetrieb zwischen Putbus und Göhren wieder aufgenommen werden.



      Putbus 26. April 2008, 7.39 Uhr. Vor der ersten öffentlichen Fahrt ab Putbus stellt sich das Lok- und Zugpersonal nochmals dem Fotografen. Personal aus dem Erzgebirge und von der Insel Rügen wird diesen Zug gemeinsam pünktlich befördern.

      Foto: PRESS / Hahn




      Auch am 14. Mai 2008 stand 99 4801 im Einsatz und bespannte eine ehemalige RüKB-Garnitur. Während die sächsischen Mietfahrzeuge von Göhren aus eingesetzt wurden, verkehrten die einheimischen Zuggarnituren von Putbus aus. Hier sehen wir 99 4801 in der Nähe von Göhren.



      Eine reichliche Stunde später ist der Bf. Putbus fast erreicht.

      Schwieriger war die Instandsetzung der 99 4802, die nach dem Bruch der rechten Treibstange am 25. 8. 2007 betriebsunfähig in Putbus stand. Zunächst wurde die Lokwerkstatt Oberwiesenthal mit der Reparatur beauftragt. Weil die in Rumänien nachgebauten Kreuzköpfe und die bei der MALOWA reparierte Treibstange aber nicht mehr maßhaltig zusammenpassten, wurde die Lok zur eingehenden Prüfung nach Meiningen weitergeleitet. Erst nach Einbau der originalen, von Ludger Guttwein verkauften Teile, gelang es, die Lok in Meiningen instand zu setzen, so dass sie ab Ende Mai 2008 wieder im Plandienst stand.

      99 784 hatte zwar die besten Untersuchungsfristen aller RüKB-Fahrzeuge, stand aber verschleißbedingt zur Fahrwerksuntersuchung an.
      Die PRESS verlor keine Zeit und beauftragte die Lokwerkstatt Oberwiesenthal mit der Durchführung dieser Untersuchung, verbunden mit einer inneren Kesseluntersuchung. Damit wurde nach nur wenigen Tagen die erste Zwischenuntersuchung einer ex RüKB-Lok unter der neuen Betriebsführung begonnen und noch immer lief der Betrieb als sogenannter Übergangsbetrieb nicht nach den Vorgaben des endgültigen Verkehrsvertrages.

      Auch wenn ein Teil der Kleinbahner bereits bei der PRESS eine Anstellung gefunden hat, war noch immer ein großer Teil der Kollegen bei der RüKB beschäftigt oder freigestellt. Ende April 2008 waren alle Vorbereitungen soweit getroffen, dass alle verbliebenen RüKB-ler ein Übernahmeangebot ihrer Arbeitsverhältnisse zum 1. Juni 2008 durch die EBB Pressnitztalbahn mbH - ZNL Rügensche BäderBahn nach § 613 a BGB bekamen.



      99 773 hat wieder den Staffelstab von 99 787 übernommen und legt sich bei Beuchow in die Kurve.



      Kräftige Farben, saftiges Grün, blühender Raps. Die Durststrecke ist überwunden, alle Weichen sind für die Zukunft richtig gestellt. 99 773 wird noch bis Ende September 2008 zuverlässig auf unserer Strecke Dienst tun. Natürlich nutzte ich auch die Gelegenheit, den Gast an meiner Lieblingsfotostelle abzulichten. Leider ohne Abdampf, aber dafür war es an diesem Tag schon zu warm.



      Gemeinsam durch den Sommer



      Da am 31. Mai 2008 endgültig die Pacht- und Nutzungsverträge mit der RüKB ausliefen, die Fahrzeuge und Anlagen inzwischen vom Landkreis Rügen übernommen und an die PRESS verpachtet wurden, erledigte sich die Funktion der RüKB als EIU.

      Das Verkehrsministerium des Landes Mecklenburg-Vorpommern widerrief damit der RüKB zum 31. Mai 2008 24 Uhr die Betriebskonzession für die Schmalspurstrecke Putbus LB - Göhren (Rügen).
      Da die RüKB inzwischen nicht mehr die Zulassungsbedingungen erfüllte, wurde dem Unternehmen Rügensche Kleinbahn GmbH & Co zum gleichen Zeitpunkt die Zulassung als EIU dauerhaft entzogen.

      So war der Weg frei. Die PRESS erhielt ab 1. Juni 2008 die Konzession zum Betrieb der Eisenbahninfrastruktur der Schmalspurstrecke Putbus LB - Göhren (Rügen).
      Mit dem vollständigen Mitarbeiterstamm, alle Kollegen hatten sich für eine Tätigkeit bei der RüBB entschieden, ergänzt und erweitert durch sächsische Kollegen, mit eigenen und gemieteten Fahrzeugen konnte die RüBB den Betrieb auf dem Rasenden Roland pünktlich und zuverlässig führen.
      Am 7. Juni trat der verdichtete Fahrplan in Kraft, der wieder den bekannten Einstundentakt zwischen Göhren und Binz anbot.
      Lediglich die Verlängerung der Züge bis Lauterbach Mole konnte im Jahr 2008 auf Grund von weiterem Fahrzeugmangel nicht angeboten werden.

      Ein ganz herzlicher Dank geht an Kay Kreisel, Torsten Hahn und Mario Wolf, die mir mit Informationen und Fotos halfen.

      Alle Fotos, soweit nicht anders angegeben: Achim Rickelt


      Wird gelegentlich fortgesetzt...




      Viele Grüße

      Euer Dampf - Achim Rickelt

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von dampfachim ()

    • Moin Achim,

      wieder mal ein gründlich aufbereiteter Bericht von dir, so wie man es eigentlich von dir gewohnt ist. Im Groben habe ich die ganzen Querelen ja mitbekommen, auch du hast ja damals schon davon berichtet, wenn ich das richtig in Erinnerung habe? Aber die gesamten Hintergründe sind ja für einen Laien schwer nachzuvollziehen, deshalb Danke für deine Erläuterungen!

      Ich hatte im Mai dann zwei Tage frei und bin, wegen des angekündigten Wetters, nach Rügen gefahren. Einige der Bilder davon hänge ich mal an.

      Ankunft am 14.05.08, gleich an die Strecke bei Beuchow, der "RüKB"-Zug P 101 mit 99 4801 eröffnet den Tag für mich.




      Die 99 787 war die beiden Tage nicht im Rennen, hier in Putbus.




      99 773 sonnte sich in Göhren.




      Dann mit P 106 bei Nistelitz.




      Später mit P 107 zwischen Posewald und Seelvitz.




      Nachmittags wieder in Göhren.




      Mit P 110 bei Göhren.




      Der selbe Zug bei Nistelitz.




      Der P 112 mit der 99 4801 bei Posewald.




      Am 15.05. entstand u.a. noch ein Bild der 99 773 mit P 110 bei Garftitz.




      Wieso hingen in dem Sachsenpark eigentlich grün-weiße RüKB-Wagen? Geht doch eigentlich nicht mit den Kupplungen? Ich hatte mir das leider nicht aus der Nähe angesehen..

      Ich freue mich auf die Fortsetzung deines Berichts!

      Gruß aus Berlin

      Carsten
    • Hallo Carsten,

      die zweifarbigen Wagen gehörten der SOEG. Damals fuhr die SOEG noch zweifarbig.

      Am 14. Mai wären wir uns wohl noch fast begegnet. Ich habe an diesem Tag ja auch ein paar Fotos gemacht, die letzten im Beitrag.

      Die 99 787 war am 14. Mai offensichtlich zum Auswaschen dran, wie die Utensilien um die Lok herum beweisen.


      Viele Grüße

      Dampfachim
    • Moin Achim,

      dann ist das mit den Wagen klar. Da ich die Bilder jetzt auf die Schnelle nur in der komprimierten Version gesehen habe kam mir das Logo auf den grün/weißen Wagen wie das der RüKB vor. Und weil das die Logos der SOEG waren habe ich mich vor Ort auch nicht darüber gewundert. ;)

      Wieder mal sind wir uns aus dem Weg gegangen am 14. Mai... ;) Ich hatte zwischendurch aber auch noch ein Hotelzimmer gesucht und gefunden und war deshalb nicht immer an der Strecke.

      Gruß

      Carsten
    • Hallo Achim,

      Danke für Deine ausfürlichen Einblicke und Ausführungen zum Betreiberwechsel beim Roland, echt ein hoch interessantes Thema aus erster Hand, Danke!

      Was mich aber noch interessieren würde, warum eigentlich die 99 783 nicht an die RüBB abgegeben wurde, was geschieht mit ihr?

      Man muß der Press absoluten Respekt für das auf Rügen geleistete zollen, aber womit ich mich bis heute nicht anfreunden kann, das ist das neue Erscheinungsbild beim Roland.
      Warum musste denn unbedingt auf RüBB umgeschwenkt werden? Mir waren die RüKB Embleme und Schriftzüge an den Fahrzeugen wesentlich lieber, da historischer, als diese modernen und bunten Schriftzüge. Ebenso fand ich standen den Lokomotiven ihre alten Loknummern besser zu Gesicht als die DR Computernummern, von der farblich föllig verunstalteten V51 901 erst gar nicht zu reden.
      Ebenso fand ich die Homepage der RüKB und auch den Souveniershop besser, wieso bekommt man im RüBB Shop kaum wirkliche Roland Souviniers, von Literatur schon ganz zu schweigen, das "Große Buch der Rügenschen Kleinbahnen" habe ich mir bei der Weißeritztalbahn bestellen müssen, seltsam, hätte ich eher beim Roland erwartet.

      Ich will jetzt hier nicht die Press oder die RüBB schlecht reden, denn das Geleistete ist wirklich aller Ehren wert, es soll vielmehr ein Denkanstoß sein, da ja bekanntlich einige Verantwortliche hier auch mit lesen.

      Und nochmals Danke an Achim, Deine Beiträge sind absolut das Salz in der Suppe, immer wieder gerne zu lesen, einfach sachlich und kompetent, mach weiter so!

      Gruß Michael
    • Hallo Michael,

      ich kann hier nur einen Teil Deiner Anmerkungen ausführlich beantworten, die Dir womöglich teilweise auch aus diesen zwei Beiträgen schon klar sein müssten.

      1. 99 783

      Die Lok wurde durch die RüKB 1998/99 gekauft und 2000 in Dienst gestellt. Im Zuge des Rückkaufs des Fahrzeugparks durch den Landkreis Rügen, war die 99 783 nicht dabei.
      Es gab und gibt zwischen dem Kreis und der RüKB ( bzw. Hermann Schöntag ) grundsätzlich verschiedene Ansichten darüber, welches Anlagevermögen von der RüKB verpflichtend an den Kreis zu verkaufen sei. Siehe Teil 1.
      Daher wurde 99 783 nicht an den Kreis verkauft und konnte daher nicht in den Fahrzeugbestand der RüBB gelangen.
      Der Umstand wurde durch die Anschaffung der 99 1781-6 durch den Landkreis inzwischen ad acta gelegt.

      Was aus 99 783 wird, kann Dir aber nur der Eigentümer beantworten.

      2. RüKB vers. RüBB

      Seit 2008 wurde ein völlig anderes Unternehmen mit der Erbringung der Verkehrsleistungen beauftragt. Das Unternehmen Rügensche Kleinbahn GmbH & Co bestand aber noch lange weiter, so dass sich die Übernahme des Namens aus rein rechtlichen Gründen verbot.
      Angesichts des ungeheuer schlechten Rufes des Unternehmens Rügensche Kleinbahn GmbH & Co bei Kunden, Auftragnehmern und Auftraggebern ( siehe Teil 1, speziell Bonität, Zuverlässigkeit und Zahlungsfähigkeit betreffend ) war ein auch äußerlich sichtbarer Bruch mit dieser Zeit geradezu zwingend.
      Da spielt Dein persönlicher Geschmack keine Rolle.
      Das Logo wurde übrigens als Ergebnis eines ausgeschriebenen Ideenwettbewerbs ausgewählt und die V 51 entspricht dem üblichen Erscheinungsbild der PRESS-Lokomotiven.

      Die Frage der Nummern stellt dabei auch einen sichtbaren Bruch mit der RüKB-Zeit dar. Die Nummern sind historisch korrekt. Dass das nicht jedermanns Geschmack ist, liegt auf der Hand. Aber es gibt viele EDV-Fans.

      3. Internetseite:

      Da gilt eigentlich das eben gesagte. Die RüKB bestand weiter und eine Kopie der alten Seite wäre auch rechtlich bedenklich.
      Das "Große Buch" ist seit langer Zeit vom Verlag abverkauft. Im Souvenirshop würde es keinen Sinn machen, ein ausverkauftes Buch anzubieten, das noch dazu nicht im Mindesten aktuell ist. Dass Du ein Restexemplar ergattert hast, ist toll, aber glaube mir, das Buch ist im Wesentlichen nur noch gebraucht zu haben.

      Trotzdem, vielen Dank für Dein Lob. Ich gebe mir Mühe, auch in Zukunft interessante Beiträge zusammenzustellen.


      Viele Grüße

      Dampfachim